1 gegen 1 – Face to Face – Dribbling

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Updated: Februar 5, 2019

Es gibt im inhaltlichen Fußball stets neue Trends – doch das Dribbling ist allgegenwärtig – nur in unserer heutigen Fußballwelt, wo Sicherheit eine primäre Rolle einnimmt – ist das mutige und mitunter auch risikoreiche Dribbling schon etwas Besonderes! Denn da wir das letzte Jahrzehnt viele Ideen aus Spanien – verschiedene Positionsspiele und Passübungen übernommen haben – wo kleine Felder und viele Passstaffeten vorherrschen ist das Dribbling leider etwas verstorben.

Nur das Dribbling kann man auch in den Positionsspielen und Passübungen verbinden. Man spricht auch von Maradona und Zidane-Qualität. Also, Zidane Qualität den Ball zu halten, vielleicht in einer 1:2-Situation und die Maradona-Qualität im 1 gegen 1 im Tempo vorbeizudribbeln/sprinten.

Dazu noch das Kicker-Interview vom Januar 2019 über Profis, Talente, Querdenkertum und Empathie.

Everybody is Kung-Fu Fighting

 

Speech beim niederländischen Studiengang „Fußballjournalistik/voetbaljournalistiek“

PH war Anfang Januar eingeladen vom Studiengang Fußballjournalistik in den Niederlanden. Es ging bei dem Vortrag, wie wir Fußballtrainer die Journalisten sehen und versuchte sie sensibler zu machen in Inhalten, Zusammenarbeit sowie das Gehirn und Gedanken des Trainers zu veranschaulichen. Die Veranstaltung war beim KNVB in Zeist/NL.

Sei freundlich zum Schiri

„Keine Angst, spiele ruhig 1 gegen 1!“

Spielformen zum Dribbling und zur offensiven Zweikampfschulung (Auszüge aus „Trainer, wann spielen wir denn?“Hyballa/ te Poel/ Schulze-Marmeling

„Ball rund muss in Tor eckig!“ Oder: „Tore sind das Salz in der (Fußball-)Suppe!“

 Wer kennt diese Plattitüden nicht? Dennoch steckt in ihnen einer der Wesenskerne unseres Spiels: Ein gelungenes 1 gegen 1 mit Torabschluss macht allen passiv und aktiv Beteiligten große Freude. Schnelle Dribblings mit virtuosen Finten sind attraktiv und effektiv. Die Erfinder derselben gelangen nicht nur in die Fußballbücher, sie werden geradezu verehrt, und ihre Finten und Tricks werden nach ihnen benannt. So gibt es den Zidane-Trick, die Beckenbauer-Drehung oder den Ronaldo-Trick. Junioren eifern diesen Spielern häufig nach und vollführen im Training stolz ihr diesbezügliches Können am Ball. Nach Einschätzung der Autoren ist es wichtig, diesem Hedonismus im philosophischen Sinne Raum und Zeit zu geben. Denn wenn ein vergnüglicher Trick nicht gelingt, erfordert es Mut und Muße, diesen immer wieder im 1 gegen 1 zu versuchen. Das passiert jedoch nicht, wenn wir in das Spiel oder im Training „Spiel doch den Ball ab!“ reinbrüllen. Das gilt es besonders im Grundlagen- und Aufbaubereich zu beachten, denn in diesem werden die Weichen für eine mutige, freudvolle, offensive und individuelle Dribblingausbildung gestellt (vgl. Hyballa/ te Poel 2016, S. 94–98). Auch für das Defensivverhalten ist die Dribblingausbildung wichtig. „Gehe ich drauf oder lasse ich mich fallen?“ Für den wirksam andribbelnden Spieler entsteht so oder so zusätzlicher Raum. Den kann man dann in Richtung Tor für die Torvorbereitung nutzen (vgl. Hyballa & te Poel 2017, S. 16–19).

Bespreking Voetbaljournalistiek in Zeist

Wie kann man diese Wunschvorstellungdurch ein entsprechendes Coaching in 1-gegen-1-Spielformen im Training auf dem Platz umsetzen?

  • „Stärke deinem Spieler den Rücken und vordere mutige Duelle im 1 gegen 1.
  • Fordere und fördere unterschiedliche Richtungen beim Andribbeln: gerade, schräg, kurvenartig etc.
  • Motiviere zum Dribbling in hohem Tempo.
  • Rege Beidfüßigkeit beim Dribbling an.
  • Vor dem Dribbling eine ganz enge Ballmitnahme anstreben.
  • Bei aller Freude am Dribbling und Fintieren nicht vergessen: Wir wollen ein Tor erzielen.
  • Scanne den Spielraum und nicht nur den Ball.
  • No-Look-Blicke einsetzen: Schaue nach rechts und dribble nach links weg.
  • Spiele den Ball quer oder tief, aber nicht einfach so, sondern situationsgebunden. Wenn nichts geht, dann dribble!
  • Bleib mutig. Die Finten, die man schon sicher und präzise beherrscht, sollen immer wieder in das Wettspiel einbezogen werden.“

Deutsch-holländisches – bosnisches Trainerteam

Kicker-Interview vom 24.01.2019 – Empathie schlägt Taktik

kicker: Herr Hyballa, Sie überwintern mit Ihrer Mannschaft DAC Dunajska Streda auf dem zweiten Platz der ersten Liga in der Slowakei. Sind Sie mit Ihrem ersten Halbjahr in diesem Klub zufrieden?

Peter Hyballa: Auf jeden Fall. Wir haben vier Punkte Vorsprung vor dem Dritten. Die 38 Zähler sind Rekord für den Verein zu diesem Saisonzeitpunkt. Und Zweiter war der Verein noch nie. Aber klar: Wenn du Zweiter bist, willst du Erster werden.

kicker: Sind die acht Punkte Rückstand auf Slovan Bratislava noch aufzuholen?

Hyballa: Wir spielen noch dreimal gegen Slovan und waren im ersten Spiel besser. Wir haben die jüngste Mannschaft der Liga, der Klub macht Spaß.

kicker: Die vergangene Spielzeit beendete Dunajska Streda auf Platz 3. Wie sieht das Saisonziel 2018/19 aus?

Hyballa: Wir wollen unter die ersten drei Teams kommen, uns also europäisch qualifizieren.

kicker: Welches Niveau hat der Fußball in dieser Liga?

Hyballa: Gemessen an Deutschland: gehobene zweite Liga. Gegen Teams aus der Tabellenmitte der niederländischen Eredivisie könnten wir gewinnen. Ich habe 13 Spieler, die Mitglieder von A-National- oder U-Teams sind, in Ungarn, der Ukraine, Slowakei, in Panama oder der Elfenbeinküste. Aber es fehlt das Flair in den Stadien. Es ist nicht alles Schickimicki wie in der Bundesliga, aber das macht für mich den Reiz aus. Hier ist die Mentalität etwas robuster, den Jungs wird nicht alles abgenommen.

kicker: Wie sind die Strukturen in der Fortuna Liga?

Hyballa: Wir in Dunajska Streda haben die meisten Zuschauer, 10 000 im Schnitt. Aber du spielst auch vor 900, 1500. Es sind ältere Stadien, doch unser neuer Eigentümer hat eine tolle Arena hingestellt. Die Slowakei hat 5,5 Millionen Einwohner, bei uns leben 22 000, die Hälfte kommt zu unseren Heimspielen. Und die Liga wird sehr gut gescoutet, wegen der Nähe zu Österreich, Deutschland, Ungarn, Tschechien.

kicker: Wie sind die Trainingsbedingungen bei DAC?

Hyballa: Die Anlage ist neu und Weltklasse; im Vergleich zu Salzburg, wo ich vor sieben Jahr gearbeitet habe, Red Bull light. Das ist Bundesliga, die Funktionsgebäude, die medizinische Versorgung. Die Plätze sind beheizt, auch mit Kunstrasen. Deshalb kam ich hierher, der Klubchef hat Visionen und Ziele; unser Manager, ein Belgier, ist sehr gut.

kicker: Wie sieht die Vision des Eigentümers aus?

Hyballa: In den kommenden Jahren Meister zu werden und möglichst viele junge Spieler in die Bundesliga, die Premier League und die anderen großen Ligen zu verkaufen. Und wir müssen die Gruppenphase der Europa League angreifen. Alles in einem Prozess, nicht mit dem großen Geld. Es ist wie in Freiburg oder Mainz: Dort will man genauso gewinnen, aber auch Spieler transferieren.

König Johan

kicker: Unterscheidet sich Ihr Job als Cheftrainer von anderen Stationen?

Hyballa: Eigentlich nicht. Ich habe sehr gute Assistenten, wir sind ein deutsch-holländisch-bosnisch-tschechisches Trainerteam. Die Leute hier haben gute Ideen, wir versuchen, sie zu verfeinern. Ich gelte ja als Ausbildungstrainer, deshalb wurde ich geholt. Wir machen sehr viel Individualtraining. Wichtig ist der Einzelkönner, dass also ein Arjen Robben im Dribbling vorbeikommt. Das taktische Mannschaftstraining halte ich für etwas ausgelutscht.

kicker: Wie kommunizieren Sie mit Ihrer Mannschaft?

Hyballa: Die Amtssprache mit den Spielern ist Englisch. 90 Prozent beherrschen es gut. Und ohne Englisch geht es in einem kleinen Land nicht, ich habe das in den Niederlanden schon erlebt. Deutsche Trainer müssen da umdenken, wenn sie zu Hause keinen Job kriegen. Ohne Englisch hast du im Ausland und fast schon in der Bundesliga keine Chance.

kicker: Was verdient ein Spieler in der Slowakei?

Hyballa: Ein deutsches Zweit- oder Drittliga-Gehalt. Wir haben hier ganz viele junge Spieler, die nicht jammern und den nächsten Schritt machen wollen. Darunter sind interessante 20-, 21-Jährige. Die U21 der Slowakei hat im September die italienische mit 3:0 besiegt. Unser ältester Spieler ist 27, Eric Davies, der für Panama bei der WM spielte. Alle anderen Stammspieler sind unter 22. Es sind einige Toptalente darunter.

kicker: Wie heißen die?

Hyballa: Christian Herc, Mittelfeld, 20 Jahre, Kapitän der U 21-Auswahl. Mate Vida, 22, ein Sechser. Und Zsolt Kalmar, der schon in Leipzig war und in Ungarns A-Team spielt. Sie alle könnten in der Bundes- oder Zweiten Liga spielen.

kicker: Wie weit sind Ihre Jungs im Vergleich zu den deutschen Talenten?

Hyballa: Das Spiel nach vorne, das in den deutschen Nachwuchsleistungszentren gelehrt wird, tiefe Bälle, Risikoaktionen, Gegenpressing kannten sie nicht so, das Mannschaftstaktische. Aber es wird besser. Wir zählen europaweit zu den 15 Teams mit den meisten Torschüssen, Ajax ist da auf Platz 1 vor dem FC Barcelona. Mental müssen sie noch stärker werden. Der Osteuropäer guckt dich immer etwas verhalten an.

Dribbling is action

kicker: Können Sie Ihre Vorstellungen von Individualität im Fußball, die Sie immer wieder predigen, ausleben?

Hyballa: Anfangs war es schwierig, weil im Denken hier die Gruppe dominierte. Wir haben ihnen beigebracht, dass im Fußball der Einzelne wichtig ist. Für mich ist Fußball nicht immer nur Mannschaftssport. Die Generation 2019 ist in Europa überall ähnlich: mit hohem Selbstbewusstsein wie mit Minderwertigkeitskomplexen, beides liegt sehr nahe beieinander. In Deutschland diskutieren die Spieler mehr mit dir; hier in der Slowakei gibt’s die Ansage, die gleich ausgeführt wird. Das will ich nicht immer, der Spieler soll sich mit Vorgaben auseinandersetzen. Ich habe Sport und Psychologie studiert: Empathie schlägt Taktik.

kicker: Können Sie Ihre bevorzugte Vollgasrichtung mit dieser Truppe praktizieren?

Hyballa: Absolut. Ich brauche eine Mannschaft, die für mich durchs Feuer geht; dann gehe auch ich für sie durchs Feuer.

kicker: Wie weit ist Ihre Mannschaft in Ihrer Entwicklung?

Hyballa: Wir haben in 18 Spielen 38 Tore geschossen, das ist Klubrekord. Dennoch stehen wir eher am Anfang. Vor allem die Chancen müssen wir besser nutzen. Hätten wir hier einen Knipser, obwohl Bayo, unser Jung-Nationalspieler der Elfenbeinküste, schon sehr stark ist der Anfang Januar zu Celtic Glasgow wechselte, der erste große Transfer für den Klub würden wir Meister werden – behaupte ich ganz frech.

kicker: Sind alle Ihre Spieler Voll-Profis?

Hyballa: Ja, ein paar studieren nebenher, was ich gut finde, weil Fußballer auch die Birne trainieren sollten.

kicker: Erlaubt  der Etat Transfers?

Hyballa: Wir holen Jungs aus dem Umland, mehr als 200 000 oder 300 000 Euro gehen aber nicht. Die besten Spieler aus den anderen Klubs der Liga sind natürlich interessant, aber wir schauen auch auf den russischen, tschechischen oder ungarischen Markt.

kicker: Womit können Sie Spieler locken, wenn nicht mit mehr Geld?

Hyballa: Ein Trainingszentrum wie unseres ist einmalig in Osteuropa, das gibt es nur noch vielleicht bei den richtig großen Klubs. Dann reizt diese junge Mannschaft, die aus der halben U 21 der Slowakei und Ungarns besteht – und ein Konzepttrainer aus Deutschland bringt auch Pluspunkte. Diese Talente und ihre Berater sehen, dass der Hyballa für einen 20-Jährigen einen 28-Jährigen auf die Bank setzt.

kicker: Wie viele Spieler träumen von einem Wechsel ins Ausland?

Hyballa: Alle träumen vom großen Ausland, von Deutschland oder England. Sie wissen, was man da verdienen kann. Und es macht einen Unterschied, ob du vor 10 000 oder 60 000 Zuschauern spielst.

kicker: Vier slowakische Spieler sind zurzeit in der Bundesliga angestellt: Duda und Pekarik in Berlin, Zrelak in Nürnberg, Benes in Mönchengladbach. Was sagt diese Anzahl über den slowakischen Fußball aus?

Hyballa: Dass die Slowakei ein sehr interessantes Entwicklungsland ist. Man setzt auf Entwicklungsfähigkeit und Potenziale.

kicker: Welchen Ruf haben der deutsche Fußball und die Bundesliga in der Slowakei?

Hyballa: Einen sehr guten. Die Bundesliga steht für schnellen Fußball mit Kontern und Gegenpressing. Figuren wie Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel werden hier sehr geschätzt. Es gibt in der Stadt noch eine gewisse deutsche Affinität, viele ältere Einwohner beherrschen die deutsche Sprache. Die Premier League steht allerdings noch vor der Bundesliga.

kicker: Welche deutschen Spieler sind Stars in der Slowakei?

Hyballa: Leroy Sané, Kai Havertz, Marc-André ter Stegen, also die jungen. Auch Marco Reus ist in aller Munde, Borussia Dortmund insgesamt.

kicker: Sie sind nun an Ihrer 14. Trainerstation: Was 1993 mit der Jugend von Borussia Bocholt begann und über die Ramblers Windhoek in Namibia oder Alemannia Aachen, Sturm Graz und den niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen führte, ist nun in Dunajska Streda angekommen. Sind Sie ein Abenteurer, ein Weltenbummler, ein Jobhopper?

Hyballa: Ich bin alles. Mit Thomas Tuchel, Christian Streich, Markus Kauczinski, Norbert Elgert oder Sascha Lewandowski gehörte ich zu den Konzepttrainern, musste dann aber einige Umwege gehen. Klar wäre ich jetzt gerne Bundesligatrainer, muss aber zugeben, dass ich in meiner Karriere schon einige Krisen hatte, mit Entlassungen; aber auch gute Erfolge. Und dann ging ich lieber in eine erste Liga im Ausland und nicht in die dritte in Deutschland. Ich fühle mich als Kosmopolit, mache weltweite Trainerfortbildungen wie in Honduras 2017 oder vor kurzem in Malta oder Polen. Grundsätzlich ist mein Ziel ein Job in einer der großen Ligen. Aber in der Slowakei macht mir die Arbeit Spaß, und alles, was kommt, kommt – und wenn nicht, dann eben nicht. Ich stehe einfach unheimlich gerne auf dem Fußballfeld, bin halt Feld-Trainer und sammle auch hier wieder Erfahrungen, die Trainer, die nur in Deutschland arbeiten, nicht bekommen. Ich bin kein Heimweh-Typ. Es ist eine Trainerlaufbahn mit Kurven, keine gerade.

kicker: Welchen Stellenwert hat ein deutscher Trainer – ein Trainer aus dem Land des deftig entthronten Weltmeisters – in der Slowakei?

Hyballa: Der deutsche Trainer wird wie ein deutsches Auto gesehen: Er läuft. Und er ist immer diszipliniert, innovativ und ziemlich offensiv – daher interessant.

kicker: Was fällt Ihnen mit der Distanz von 600 bis 700 Kilometern am deutschen Fußball besonders auf?

Hyballa: Jüngere Spieler bekommen verstärkt ihre Chance. Die Dreier- oder Fünferkette kommt immer mehr; der Fußball wurde sehr konterlastig, man wartet ab, spielt lange Bälle, dann geht es mit mehreren Spielern ab nach vorne. Das brutale Anpressen ist etwas verschwunden. Und die Variabilität in den Räumen ist ein Thema, dass etwa der linke Verteidiger nach innen zieht und in der Offensive gefährlich wird. Diesen Raum- statt Positionsfußball versuchen wir hier auch einzuführen.

kicker: Wird Ihr Ex-Arbeitgeber Dortmund Meister 2019?

Hyballa: Ja, im Moment sieht es danach aus. Mit Niko Kovac habe ich in Salzburg zusammengearbeitet, ich als Cheftrainer bei der U 23, er als Cotrainer von Ricardo Moniz. Ich würde es ihm gönnen…Niko ist ein fleißiger Arbeiter und guter Feldtrainer, er hat eine Vision vom Fußball, dennoch passt es in dieser Saison in Dortmund mit diesem erfahrenen Trainer und der jungen Mannschaft.

kicker: Sie haben unter anderem Mario Götze, Daniel Ginczek, Tolgay Arslan, Benjamin Henrichs, Christian Pander, Antonio Rüdiger trainiert. Wie formt man als Trainer Talente zu Profis?

Hyballa: Man muss hart, aber gerecht sein. Du musst den Job lieben oder es besser sein lassen. Man muss sein Ding durchziehen als Trainer. Spieler werden immer mächtiger. Die bekloppte Idee, die U-23-Teams abzumelden, hat Deutschland in ein Dilemma gestürzt, denn Talente denken sofort, dass sie ganz wertvoll sind, wenn sie zu den Profis kommen; doch die meisten füllen die Kader nur auf – aber die Talente, deren Berater, Eltern und auch ihr Klub meinen, sie seien die nächsten Superstars und die Welt kreise nur noch um sie. Daher muss der jeweilige Talente-Trainer eine gute Kontrolle über seine Spieler haben, er ist Partner – aber auch ganz klar der Mentor.

kicker: Sie ließen Ferdi Kadioglu, jetzt Fenerbahce Istanbul, oder Arnaut Groenenveld, jetzt Brügge, als 16- bzw. 18-Jährige in der Eredivisie bei NEC Nijmegen debütieren oder förderten jetzt Isaac Bayo (21), der nun zu Celtic Glasgow wechselte. Braucht man Mut dafür?

Hyballa: Klar, denn ältere Spieler machen oft Theater auf der Bank, aber das war mir immer egal. Wenn ich von einem Talent überzeugt, warf ich es rein und gab ihm Verantwortung. Und nichts mit Schmusekurs, sie mussten trainieren und durften keinen Notausgang betreten.

kicker: Ist Dunajska Streda für Sie nur eine Zwischenstation? Oder kann es länger dauern?

Hyballa: Mein Vertrag gilt bis Saisonende. Ich war schon arbeitslos und unsexy als Trainer, jetzt gewinnen wir, ich merke, ich werde wieder sexy. Eigentlich wollte ich vor meinem 40. Lebensjahr in der Bundesliga trainieren …

kicker: … Sie sind gerade 43 geworden …

Hyballa: … habe es also nicht geschafft, aber schon viele geile internationale Erfahrungen gesammelt. Mir macht es hier Spaß, aber mein Ziel ist eine große Liga.

kicker: Warum wurde Ihr Vertrag nur für ein Jahr abgeschlossen?

Hyballa: Es gibt eine Option für ein zusätzliches Jahr. Also sind es praktisch zwei.

kicker: Sie haben in einem kicker-Interview ehrlich gesagt: Im Fußball geht’s um Kohle. Sind Sie da bei DAC Dunajska Streda richtig?

Hyballa: Ich verdiene hier schon gutes Geld. Trainergehalt ist auch Schmerzens- und Vertriebenengeld. Nach Entlassungen musst du mit dem Ersparten durchkommen, obwohl soziale Berufe usw. natürlich mehr verdienen sollten als wir Trainer. Also werde ich sicherlich nicht jammern. Aber klar geht es in unserem Job ums Geld, genauso geht es im Jugendfußball um Ergebnisse, nicht nur um Ausbildung.

kicker: Wie lange werden Sie es in der abseits der großen Aufmerksamkeit liegenden Slowakei aushalten?

Hyballa: Grundsätzlich bin ich gerne Trainer, und eben jetzt gerade hier. Karriere war mir nie so wichtig. Heute bin ich ruhiger und demütiger, was viel wert ist bei mir, weil ich schon ein Hansdampf in allen Gassen bin. Wenn etwas Anderes kommt, muss ich es prüfen; sonst bleibe ich länger hier, weil es mir gut gefällt. Aber am Ende musst du gewinnen, egal wo – sonst fliegst du raus. Ist ja alles relativ unromantisch (lacht).

kicker: Warum hat es für Sie bisher nicht geklappt mit der Bundesliga?

Hyballa: In meiner Aachener Zeit …

kicker: … 2010/11 …

Hyballa: … gab es ein paar Anfragen. Ich lernte aber schnell die Kehrseite kennen, als wir ein paar Mal verloren …

kicker: … Sie wurden Mitte September 2011 entlassen.

Hyballa: Und dann kannst du schnell weg sein. Ich habe es vor der Zeit hier erlebt, da war ich ein Jahr komplett weg…

kicker: … und halfen als Barkeeper auf Malta aus …

Hyballa: … da überlegte ich schon, völlig auszusteigen. Wenn du nur auf den Trainerberuf angewiesen bist, ist es ein hartes Brot. Aber ich hab auch im deutschen und niederländischen TV als Experte gearbeitet, also interessante Eindrücke gesammelt. Darauf muss die Trainerausbildung auch eingehen: Dass man lernt einzustecken und Extremsituationen zu ertragen, um dann wieder kreativ zu werden. Und Trainer sollten Sprachen lernen. Deutschland ist ein enger Trainermarkt.

kicker: Sie haben die Slowakei als Sprungbrettliga bezeichnet. Gilt das auch für Sie?

Hyballa: Ja, aber ich konzentriere mich jetzt total auf die Aufgabe hier. Ich weiß, dass ich Ergebnisse liefern muss.

kicker: Was muss in Ihrer Trainerkarriere noch passieren?

Hyballa: Mein Ziel ist, Cheftrainer in Deutschland, England, oder in einer anderen großen Liga zu werden. Wenn ich es nicht erreiche, werde ich aber nicht depressiv.

kicker: Was muss am Ende Ihrer Zeit in Dunajska Streda stehen?

Hyballa: Ein Titel wäre schön. Oder die Qualifikation für die Europa League 2019/20. Und wenn wir ein paar Spieler für die vier großen Ligen ausbilden würden.

kicker: Ihr jetziger Verein verlor am 26.10.1988 in München in der zweiten Runde des UEFA-Pokals mit 1:3, zu Hause 0:2. Spielen diese beiden Partien gegen Bayern in der Vereinsgeschichte noch eine Rolle?

Hyballa: Jeden Tag sprechen mich Leute darauf an. Neben dem Fanshop gibt es ein ganz kleines Museum, da ist ein Bayern-München-Wappen. Neulich zeigte mir mein Edelfan Attila eine Zeitung vom damaligen Spieltag. Und in meiner Tankstelle hängen noch Autogrammkarten von den damaligen Bayern-Spielern Klaus Augenthaler und Hans Pflügler. Dieses Spiel ist selbst nach 30 Jahren noch allgegenwärtig.

(INTERVIEW: KARLHEINZ WILD)

Boxbesetzung ist Dribblingzone

Weblinks:

http://fcdac.sk/en/video/2019/01/07/top-2018-best-moments-of-the-year

https://www.dailyrecord.co.uk/sport/football/football-transfer-news/inside-track-celtic-target-vakoun-13800728

http://fcdac.sk/sk/video/2019/01/13/video-tvrdou-pracou-k-top-forme

http://fcdac.sk/en/video/2019/01/21/video-dac-team-building-with-the-master-chefs

https://www.voetbalzone.nl/doc.asp?uid=344856

 

 

 

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