Der Taktik-Supermarkt 2018

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Updated: Dezember 11, 2017

Gibt es eigentlich mehr Taktiknerds als Feldtrainer – die uns erzählen, wie es geht – oder ist jetzt der Mensch wichtiger als der Raum – der Raum als der Ball – oder doch die Fitness (deutsche Tugenden) oder gibt es diese typisch deutsche Spielweise gar nicht. Sollen wir jetzt mutig sein – oder demütig – oder doch rebellisch …

Ja wat denn nun? Puuuh – Trainer werden immer mehr wie Freiwild gekennzeichnet, sind austauschbar. Ist die Taktik in Richtung 2018 denn nun sooooooooooooo wichtig oder ist es ein geiler Modetrend, wo auch die Magnetschieber und Laptop-Jungs endlich mal mitquatschen können…ein paar Gedanken zur Taktik…psssst, übrings – der Mensch ist wichtiger als Taktik…ist nur meine mutige demütige querdenkende freigeistige und inhaltliche Meinung!!!

Taktische Übungsformen aus Holland geklaut

Taktische Flexibilität

Die Fußballwelt beneidet uns um unser Training der taktischen Flexibilität! Nur, was ist das eigentlich? Und wie bereiten wir Spieler taktisch – strategisch – intuitiv und flexibel auf Spielsituationen mit und gegen den Ball vor?

Wenn man in einen Supermarkt ist und dort an das Schokoladenregal vorbei geht, erkennt man verschiedene Sorten – Vollmilch, Nougat, Marzipan, Vollnuss usw. Der Kunde geht von Sorte zu Sorte und entscheidet dann – er wählt also eine bestimmte Sorte aus! Doch der eine Supermarkt bietet mehr an – und der andere weniger!

Bei der Fußballtaktik ist es ähnlich: wir Trainer bieten dem Spieler in Übungs- und Spielformen verschiedene Grundsituationen an – die die Spieler strategisch annehmen! Der Klassiker im Taktiktraining ist sicherlich – mit oder gegen den Ball!

Mit dem Ball – Taktiktraining: Es werden die Räume aufgezeigt, die die Mannschaft am Ball bespielen kann. Dazu kommen individual- gruppen und mannschaftstaktische Gesetzmäßigkeiten vor! Der Trainer zeigt auf, welche Räume beim Gegner frei sind, die können per Ball dann bespielt werden, z.B. per Andribbeln oder Ein-Kontakt-Spiel! Es kann Hinterlaufen am Flügel praktiziert werden oder schnelle Doppelpässe durch das Zentrum!

Das gesamte Team kann den Ball zirkulieren lassen – um den Gegner zu locken oder das schnelle Vertikalspiel bevorzugen, um schnell durch die Schnittstellen zu spielen!

Der Halb-Niederländer in NL

Anderer Blickwinkel als TV-Journalisten – weg vom Ball coachen

Diese Dinge trainiere nicht nur ich – sondern jeder Trainer. Beim taktischen „Mit dem Ball-Training“ ist es jedoch wichtig, dass wir Trainer einen anderen Blickwinkel als beim Techniktraining haben oder auch wie z.B die TV-Kommentatoren besitzen.

Die Kommentatoren schauen oft nur auf die Spieler, die sich am Ball befinden. Der Trainer analysiert aber den gesamten Raum, den ballnahen aber auch den ballentfernten Spieler. Aus diesem Grund ist es auch interessant, wie verschiedene Räume offen gemacht werden.

Bestimmte Mitspieler müssen „Räume ziehen“ und dann kann der Spieler am Ball vielleicht erst mit dem Ball eine Reihe überspielen und überdribbeln. Oder wenn ein Spieler ohne Ball zu seinem eigenen Mitspieler am Ball entgegen läuft, nimmt er seinen Gegenspieler mit und „bindet“ diesen. So kann der Spieler am Ball vielleicht einen simplen Pass dahinter spielen, da sich ein Raum geöffnet hat!

Puuuh, schwierige Kost denken Sie sich jetzt – aber einige Taktik-Schokoladen haben nun mal mehr Kalorien…Taktiktraining mit Ball ist halt das Zusammenspiel verschiedener Mitspieler um Räume zu öffnen und dann den Gegner auszuspielen!

Und diese strategischen Raum-Tipps kann der Trainer in verschiedenen Formen anbieten, indem er bestimmte Spielregeln benennt! Er kann das Feld schmaler abstecken (sogenannter Schlauch), dann kann dies den Plan Kurzpassspiel mit Steil-Klatsch-Ideen provozieren oder er kann Zeitdruckregeln anbieten (Stress am Ball), um viele tiefe Bälle spielen zu lassen.

Taktik-Gehirn

Der Trainer bestimmt mit seinem Taktik-Gehirn welche „Raum-Schokoladen“ er anbieten möchte! Wenn die Spieler dann im Taktiktraining arbeiten, kann er mit verschiedenen Methoden coachen: einfrieren der Situation, in Zeitlupe es nochmal nachstellen lassen, Radio-Coaching (also während des Trainings sprechen), Fragen stellen und die Spieler antworten,  impliziertes Lernen um dann später der gesamten Mannschaft oder im Einzelgespräch die verschiedenen Wirkungen in den einzelnen Räumen zu erklären!

Beim „gegen-den-Ball-Training“ ist es ähnlich: wieder werden verschiedene Strategien den Spielern angeboten. Auf einmal geht es wieder um Räume – aber diesmal geht es um bestimmte Abstände, die eingehalten werden. Jetzt kommen ganz andere Schokoladen in den Supermarkt – und zwar die defensiven!

Jetzt wird geschoben, gepresst, isoliert und Druck auf den Ball gemacht. Die Passlinien werden zugestellt und interessant wird es, ob der Ball mit der Innen- oder der Außenseite geblockt wird. Auch hier kann man schmunzeln, über die einzelnen Begriffe, aber es geht immer darum, Spieler zu verbessern, um den Ball zu attackieren und zu erobern. Dafür braucht man einen Plan!

Mit Pierre van Hooijdonk and the German passing soccer Drills

Bei taktischen Spielformen – der Trainer nimmt den Blick weg vom Ball

Die Übungs- und Spielformen sind eigentlich dieselben, wie bei den offensiven Strategien. Doch nun sieht das Coachingauge des Trainers alle Abfolgen in den verschiedenen Räumen, was gegen den Ball abläuft.

Das gesamte Coaching sieht anders aus und auch die Spieler sollten sich untereinander coachen und deshalb müssen sie die strategischen Anweisungen perfekt beherrschen!

Im taktischen Gegen-den-Ball-Training reagieren die Spieler sehr oft und so muss das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Spieler sehr synchron wirken, wie z.B. beim Druck- und Absicherungsspieler.

Wir in Deutschland, trainieren diese Ideen gegen den Ball sehr penibel und genau – meine Generation waren in den 90er Jahren „heiß“, um die Arrigo Sacchi Videos der Raumverteidigung zu analysieren und kauften uns Gummibänder, mit denen die Spieler ihre Teamabstände kontrollierten.

Mein Kritikpunkt ist nur, dass wir dieses defensive Raumtraining zu früh machen, denn kein Kind meldet sich wegen Verschieben zum Ball bei einem Fußballklub an – da „herrscht“ ganz  klar der strategische Erwachsene über das kreative Kind!

Doch das Abwehr-Verhalten zu erlernen und auch früh diese Schokoladen anzubieten finde ich gut, aber in Maßen, denn sonst wird man im Jugendbereich zu „dick“ nur um reagieren zu können, auch wenn wir deutschen Trainer die Perfektionisten im aktiven Verteidigen sind!

DAZN in München mit Daniel Lerché – Huddersfield – ManCity

Konzeptsprache tackelt die Fußballersprache um

Ich bezeichne mich selber gerne als Feld-Laptop-Trainer – ich bin am liebsten auf dem Platz und erarbeite mit den Spielern verschiedene Technik/Taktik-Programme. Aber ohne Vorbereitung z.B. von verschiedenen Bildsequenzen geht es auch nicht, da die Youtube-Generation von heute aus visuellen Bildern vereinfachter lernen und dies auch unbedingt wollen.

Manchmal muss ich auch über mich selbst lachen, wenn ich diese Konzeptsprache: ziehen, schieben, isolieren, binden etc. anwende, aber es hilft den Spielern, da sie in einem Begriff die taktischen Denkmuster entdecken und verstehen!

Doch ohne „Gras fressen“ und „wegzünden“ geht es auch nicht, denn in einer bestimmten Strategie benötigt man stets auch Gefühlsbegriffe wie Mut, Geduld, Zusammenarbeit und Leidenschaft! Auch dies darf nie in einem Strategietraining zu kurz kommen!

Auch diese Kakaobohnen dürfen nie in einer guten Taktik-Schokolade fehlen!

Wie bei einem gekonnten Techniktraining versuche ich durch Übungs- und Spielformen zu variieren. Denn in jeder Trainingsform biete ich den Spielern bestimmte Räume an, in denen sie sich bewegen und mit längerer Zeitdauer intuitiv taktisch handeln sollen.

Nur beim Taktiktraining schaue ich auch sehr oft weg vom Ball und beobachte die Umgebung. Ich visualisiere die Räume in der Nähe und in der Ferne des Balles – und spreche es an, wenn es positiv oder negativ ist. Dies ist der große Unterschied zum Techniktraining, wo natürlich sehr auf den Ball geachtet wird!

Auch 2018 ist wieder Vollgas angesagt!!!

Das taktische Coaching ist hier nun interessant, bei einer Passübung kann ich das Weglaufen aus einem bestimmten Hütchenraum coachen – und zack, besitzt man wieder einen taktischen Schwerpunkt!

Ich bin viel im Ausland unterwegs, ob schon als Profitrainer, Nachwuchscoach oder Trainer-Ausbilder und es ist für mich total gut zu erkennen, dass wir in Deutschland verschiedene strategische Regeln sowie ganz viele neue Situationen den Spielern „schmecken“ lassen – und diese dann gemeinsam kommunizieren und daran arbeiten!

Das Credo lautet im deutschen Trainerhandwerk – t a k t i s c h e     F l e x i b i l i t ä t – und ich finde es super, da Spieler ihre Handlungen überragend bespielen und verteidigen können! Der Spieler sucht sich die bestimmte Schokolade aus (intuitive Handlungen) – den wir Trainer ins Trainings-Regal legen – dann gemeinsam den Match(strategie)plan „aushecken“ und dann Tempo in den Räumen!

Ich würde mir wünschen, wenn wir am Ball genauso akribisch und kreativ wären wie im Raum! Doch dies ist nur meine subjektive Meinung – dass uns die Raum-Schokolade besser schmeckt als die Ball-Schokolade…doch beide zusammen wäre perfekt!

EMPATHIE SCHLÄGT TAKTIK!! IMMER!!! Und irgendwann holt sich die Straße den Fußball zurück!

Ballgerechtes Kindertraining sinnvoll – Legendentruppe BV Borussia Bocholt 😉

 

https://www.trouw.nl/opinie/van-wie-zou-u-meer-aannemen-van-dick-advocaat-of-van-peter-hyballa-~a5d1e6d4/

https://www.dersportverlag.de/german-soccer-passing-drills-9781782550488.html

https://www.voetbaltrainer.nl/magazine/voetbaltrainer-230/

https://fussballtraining.com/fussballtraining/?m=1

 

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