Die Zentralos (6er): Komfortzone, nee danke!!

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Updated: Mai 6, 2019

Ja was denn nun? Der 6er ist der Boss im Mittelfeld – aber ist eher Stratege, Box-to-Box-Spieler, Zerstörer, Magnetspieler, Ankerspieler, Ballverteiler oder Packing-Genie…Hahaha – na ja, auf jeden Fall ist er nicht unwichtig… Überall hört man die Thematik der Doppel-Sechs, auf Taktik-Internetseiten wird über den kontrollierenden, kreativen, den „Vario“ oder den taktgebenden 6er gefachsimpelt. Die Position 6 wird in drei Unterscheidungen charakterisiert und wie dieser jeweilige Charakter in verschiedenen Spielformen individuell + im Mannschaftsverbund trainiert werden kann! Er darf nicht in der seiner Komfortzone spielen, sondern muss stets für sich Spielzonen finden, die er beherrscht – aber auch wo er nicht so gut ist…er muss im taktischen und technischen Bereich den Komfortbereich oft zerstören.

 

Dirigent für Heavy Metal Football 😉

Warum drei Unterscheidungen?

  • Die Position 6 ist im Spiel, wie in einem Film immer die Hauptrolle – da sie unheimlich komplex, vielfältig und facettenreich gespielt werden muss. In Angriffssituationen muss er gute andribbeln, exakt passen und auch das Auge für die eigene Verteidigung bzw. Angriff besitzen und sie miteinander verbinden. In Verteidigungssituationen muss er das perfekte 1:1 meist auf beiden Füssen (ohne Grätschen) lösen, er muss die Passwege im Raum sauber zu machen und noch dazu sich im Luftkampf so geschickt anstellen, dass der Gegner nicht an den Ball kommt!
  • Der 6er muss also viel können, aber dann ist doch ein entscheidender Faktor der TRAINER – denn er bestimmt über die Rolle, die er im Spiel sehen will und er entscheidet auch welcher Typus 6er auch spielt – und das heisst, der Trainer entscheidet sich für einen zentralen Mittelfeldspieler, den er sehen will, wie er das Spiel lenken soll. Ein 6er kann bei einem Trainer aufblühen und bei dem anderen halt nicht…entscheidend ist nicht immer der Spieler, sondern auch die Spiel(er)philosophie des Coaches…
  • Aus diesem Grund stelle ich drei Arten der 6 vor – die typischen Eigenschaften, die Charakteristika, die Anforderungen und die dazugehörigen Spielformen für den jeweiligen 6er-Charakter! Die drei Arten sind in englischer Sprache dargestellt, wenn es nicht gefällt, wählt eure eigene Coachingsprache…

 

http://fcdac.sk/en/video/2019/04/05/video-fans-meeting-with-peter-hyballa

Manchmal hilft der Fussball-Gott

  1. Playmaker

Offensiv:

  • Er löst alle Situationen spielerisch!
  • Viele Kurzpässe!
  • Er läuft oft zum Ball – spielt oft ballnahe!
  • Viele Doppelpässe!
  • Schnelles Andribbeln – und dann Prinzip: Spiel und geh!
  • Wechselspiel mit Position 8 und 10 – kein stures 6er-Spiel!
  • Versucht beim Umschalten auf Schnelligkeit Wert zulegen: Dribbling, Passspiel in enge Räume – aber alles mit Tempo!

Defensiv:

  • Versucht mehr die Räume zu besetzen, statt auf enormen Balldruck zu gehen!
  • Spekuliert mehr auf den zweiten Ball, gerade beim Luftkampf!
  • Übergibt den offensiven 10er oft an den herausrückenden Innenverteidiger!
  • Versucht beim defensiven Zweikampf – auf Ballbesitz zu kommen (und nicht nur den Ballwegschiessen)!
  • Wenn der Gegner den Ball hat – denkt er schon an seinen eigenen Angriff!
  • Versucht in die Vor-Verteidigung zu kommen!
  • Orientiert sich sehr auf den zentralen Raum – statt sich ganz auf die Flügel rauslocken zu lassen!

 

  1. Troublemaker

Offensiv:

  • Er löst die Spielsituationen spielerisch – aber auch unorthodox, sprich: lange Bälle in die gegnerischen offensiven Räume!
  • Wechselspiel zwischen Kurzpass, öffnenden Raumpaß und langem Wechselpass!
  • Gibt den Ball auch schnell weiter zum kreativen 8er oder 10er!
  • Der Ball wird oft zu den beiden Innenverteidigern „geklatscht“ statt direkt aufzudrehen!
  • Bleibt stur auf der 6 und orientiert sich eher zu den Positionen 4 und 5!
  • Beim Umschalten offensiv wird er mehr Pässe spielen, statt zu dribbeln!
  • Wird stets in der Restverteidigung bleiben, um den offensiven Spieler als „Bodyguard“ zu dienen!

Defensiv:

  • Geht extrem auf den Balldruck!
  • Versucht im Zweikampf den Ball zu bekommen – der direkte Ballbesitz ist aber sekundär!
  • Will unbedingt den ersten Ball – auch besonders im Luftkampf!
  • Jagt den gegnerischen offensiven 10er und die Innenverteidigung kann somit in der Restverteidigung bleiben!
  • Wenn der Gegnerversucht umschalten – rennt er rückwärts um Zeitverlust beim Gegner herzustellen und dann erst ins offensive Verteidigen zu kommen!
  • Orientiert sich auf den zentralen Raum – orientiert sich aber eher an den gegnerischen Spieler statt an den Raum!
  • Besitzt seine Qualität im 1:1 def.!

 

http://fcdac.sk/sk/video/2019/04/08/video-dac-zilina-10-official-aftermovie

Beim Supporters-Abend stellt PH seine Philosophie vor

Quarterback:

Offensiv

  • Er löst die Spielsituationen meist per schnellem Passspiel!
  • Er hat eine enorme Variation des Passspiels – doch zumeist spielt er Schnittstellenbälle, also mit Risiko!
  • Als Taktstock gelten seine Pässe – dazu spielt er oft aus der Position die Bälle!
  • Er versucht den ersten Blick in öffnende Räume zu erkennen und zu bespielen!
  • Balanciert zwischen defensiver und offensiver 6 – aber tendiert mehr zum offensiven Part!
  • Beim Umschalten offensiv, wird immer der Ball in die Tiefe versucht, oder den Wechselball um das Spiel zu öffnen!
  • Bleibt oft in der Restverteidigung – aber nicht nur als defensive Absicherung, sondern als Aktivposten, um den Ball zu bekommen, um ihn weiterzuleiten!

Defensiv

  • Kombiniert Raum- und Balldruck!
  • Versucht den Ball im Zweikampf defensiv schon wegzuspitzeln und hat daher offensive Gedanken!
  • Möchte gerne den ersten Ball – aber wenn es nicht geht versucht er die Räume eng zumachen, um den zweiten oder dritten Ball zu bekommen!
  • Im Luftkampf schaut er schon nach seinem Mitspieler – wo er den Ball hin spielen könnte!
  • Verfolgt den Gegner bis zur Innenverteidigung, wo er seinen Gegenspieler übergibt!
  • Die Zentrale aber auch die Flügelpositionen werden gut belaufen!
  • Besitzt seine Qualität im Zustellen der Passwege und den Raum so eng zu gestalten, dass einer zum Doppeln dazukommt!

 

 

Variieren sie eine Spielform so, dass alle 6er-Typen ausgebildet werden, denn der beste 6er ist immer noch der PlayTroubleQuarterback-Maker 😉

 

  • Der eine 6er besitzt mehr die Qualität des Playmakers usw. sie können ihren jeweiligen 6er-Typ so ausbilden, dass die Stärken verstärkt werden, aber im absoluten Detail! Es geht dann nicht nur darum, den Spieler viele Wiederholungen seiner Qualität zu schenken, sondern er muss mit seiner Fähigkeit vielleicht auch neue Räume erkennen, neue Techniken verfeinern und auch in seinen Defensivaufgaben neue Strukturen bekommen!
  • Dies muss der Trainer, in seinem Training ableisten, aber auch mit seinem gezielten Detailcoaching versucht er seinen individuellen Spieler – in dem Falle Position 6 – klare Anweisungen zu geben, zu korrigieren, zu variieren und in einer bestimmten Situation auszuführen!
  • Gerade im Seniorenbereich wird ein guter Troublemaker nicht mehr der optimale Playmaker und umgekehrt – deshalb geht es auch die Stärke des Spielers zu erkennen und im Detail weiterzuentwickeln – doch der Trainer sieht in der jeweiligen Spielform nur die Stärke des Spielers und ist sich auch dessen bewusst!
  • Dazu kann man in denselben Spielformen auch die Schwächen korrigieren, um ihn auch zum Allrounder ausbilden – denn die jeweilige Position (Defensiv, Offensiv, Umschaltphase etc.) bestimmt die Verantwortlichkeit im Spiel!!!
  • Wenn ein 6er auf einmal in die Innenverteidigung gedrängt wird, muss er auch als ein Innenverteidiger denken und so verschiedene Verhaltensmuster in der jeweiligen Situation abrufen können – und falls der 6er plötzlich auf der 9 steht, muss er auch wieder bestimmte Qualitäten abrufen, die ihn befähigen einen Treffer zu erzielen!

Und in Spielformen, kommst du als 6er immer in verschiedene Situationen (mit und gegen den Ball) – die Kunst des Spielformtrainers ist es nun, auf der einen Seite die klare Stärke im Detail zu festigen und zu verbessern und auf der anderen Seite die Schwächen mehr und mehr abzustellen, da der 6er von morgen verschiedene Positionen in einem Spiel abrufen muss!!

Dazu kann der Trainer im Kinderbereich, sich auch seinen jungen 6er so ausbilden, wie er die zentrale Position spielen soll – es gibt sicherlich Jugendkonzeptionen die wollen mehr einen Quarterback entwickeln und die andere Zukunftsabteilung sieht vielleicht den 6er als einen Troublemaker!

 

http://fcdac.sk/sk/video/2019/04/29/video-dac-slovan-10-official-aftermovie

 

Der Trainer muss eine Spielform variieren können!!!

  • Im Praxisteil werden vier Spielformen gezeigt, aber sie werden dreifach auf den jeweiligen 6er-Typ veranschaulicht!
  • Die Trainer können also in einer Spielform arbeiten, müssen so nicht andauernd umbauen und die Hütchen von A nach B schleppen – aber doch kann eine Spielform mit einer Variation in eine ganz andere Positionsaufgabe gelenkt werden!
  • Eine Spielform – aber mit einer Variation geht es in Richtung Playmaker, Troublemaker oder Quarterback-Spezialisierung! Also in der Spielform positionsspezifisch trainieren!

https://www.efotbal.cz/clanek-198289-Nemecky-trener-Peter-Hyballa-Exot-z-Dunajske-Stredy.html

 

  1. 6 gegen 6 – Schwerpunkt: Playmaker

Ablauf des Spiels:

  • In einem 60 mal 30 Meter grossen Spielfeld wird auf zwei Grosstore mit TW gespielt
  • In der Mitte des Spielfeld wird eine 25 mal 15 Meter Hütchenzone markiert
  • Der oder die zentralen Spieler (bestimmt der Trainer ob er einen Playmaker besitzt oder mehrere) dürfen den Ball aus dieser Zone A) mit ein-zwei Kontakten vertikal nach vorne spielen oder B) aus dieser Zone herausdribbeln und den letzten Assist machen oder selbst den Treffer erzielen (er muss aktiv und dominant spielen)!

Coaching:

  • Der Playmaker muss sofort den Blick in die Tiefe sehen!
  • Sobald ein Angreifer frei steht spielt er ihn an!
  • Falls kein Angreifer „frei“ steht – nimmt er sofort die Initiative und sucht den Torerfolg!

Variationen:

  • Der Playmaker besitzt nur ein – zwei Kontakte!
  • Der Playmaker muss aus der Zone herausdribbeln!
  • Der Playmaker darf spielen oder dribbeln – aber er muss danach von den Mitspielern gesucht werden, denn nur der Playmaker darf den Treffer erzielen!

Europaleague-Experte beim TV

  1. 6 gegen 6 – Schwerpunkt: Troublemaker

 

Ablauf des Spiels:

  • Siehe A), nur der Troublemaker soll A) so schnell wie es geht den Ball zu einem Mitspieler ohne Risiko weiterleiten und B) immer in der Restverteidigung bleiben!

Coaching:

  • Nach Abspiel soll er einen neuen Raum belaufen, aber hinter dem Ball bleiben!
  • Er kann dass Spiel immer beruhigen und soll dass Zentrum kaum verlassen!
  • Nach einem erfolglosen Angriff soll er seine Offensivspieler so coachen – dass sie im defensiven Umschaltverfahren zusammenstehen und eng bleiben!

Variationen:

  • Der Troublemaker darf den Ball nur nach hinten spielen und den Innenverteidiger den vertikalen Spielaufbau zugestehen!
  • Der Troublemaker darf keine Querpässe (zu einfach zu verteidigen) spielen, sondern nur vertikal, aber auch nach hinten!
  • Der Troublemaker darf aus der zweiten Reihe schiessen!

 

  1. 6 gegen 6 – Schwerpunkt: Quarterback

Ablauf des Spiels:

  • Siehe A) nur der Quarterback soll A) den Ball per ein Kontakt vertikal per Flachpass spielen oder B) per ein oder zwei Kontakte per Wechselpass auf den Flügeln dass Spiel öffnen!

Coaching:

  • Nach dem Passspiel einen neuen Raum belaufen und anspielbereit sein!
  • Tempo erhöhen oder verringern, aber nur Passspiel!
  • Passwechsel zwischen Verlagerungsbälle und vertikalen Schnittstellenbälle!

 

Variationen:

  • Der Quarterback darf immer nur vertikal spielen!
  • Der Quarterback darf immer nur breit spielen!
  • Der Quarterback darf nur „Chip-Bälle“ spielen!

Spieler und Physios immer im Blick 😉

  1. 7 gegen 7 – Schwerpunkt: Playmaker

 

Ablauf des Spiels:

  • In einem 70 mal 35 Meter grossen Spielfeld wird 7 gegen 7 auf zwei Grosstore mit TW gespielt.
  • Vor den beiden Toren (ca. 20 Meter davor) wird eine Linie mit Hütchen markiert.
  • Diese Linie bedeutet dass der Ball vor der Linie gespielt werden soll und der jeweilige Angreifer muss dann den Treffer in diesem Raum erzielen.
  • Treffer aus der zweiten Reihe sind daher nicht möglich!
  • Aufgaben des Playmakers sind A) den Ball vertikal in den Angreifer-Raum zu spielen und innerhalb von sechs Sekunden soll der Treffer markiert werden (also unter Zeitdruck trainieren)! Und B) Der Playmaker soll den Angreifer zum Doppelpass als Wandspieler suchen und dann selbst in den Angriffsraum reindribbeln, dann den Treffer selbst erzielen und noch mal vorlegen für einen Mitspieler! (auch unter Zeitdruck: sechs Sekunden)!

Coaching:

  • Der Playmaker sollen zum vertikalen Spiel harte Druckpässe spielen!
  • Wenn der Playmaker durchdribbelt, muss ein anderer zentraler Spieler als Restverteidigungsspieler bleiben!
  • Wenn der playmaker keine Schnittstelle findet, kann er die Situation immer abbrechen und eine neue Lösung suchen!

Variationen:

  • Dass gesamte Spiel läuft unter Zeitdruck – nach Umschalten auf Offensive muss nach 10 Sekunden ein Abschluss erzielt werden!
  • Der Playmaker muss der Torschütze oder der Assistgeber sein!
  • Der Playmaker darf auch aus der zweiten Reihe schiessen!

Matchplan-Präsentation

 

 

Linktipps:

https://ujszo.com/sport/hyballa-edzo-vagyok-nem-varazslo

https://www.cas.sk/clanok/823852/trener-dunajskej-stredy-uz-ma-toho-dost-vojna-slovakov-s-madarmi-ma-uz-unavuje/

https://www.vi.nl/denationalevoetbaltop

http://www.jugendtrainer.de/peter-hyballa-2/

 

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