Fußball-Ego-Individualisierung

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Updated: Februar 4, 2018

Klassisch gesehen gilt Fußball zu den Teamsportarten! Inhaltlich gesehen und gerade im Jahr 2018 sprechen wir Trainer auch oft über Ego´s, Ich-Ag´s und Narzissmus, was gerade Profisportler in der Zeit des Transferschlusses deutlich aufzeigen. Auch praktisch muss ein Spieler allein köpfen, schießen, dribbeln und passen. Das Wechselspiel zwischen Mannschaft und dem Einzelnen ist in einer Fußballmannschaft mit das Spannendste. Der Begriff Individualisierung wird wie der Ausspruch Teamspirit sehr stark strapaziert. Deshalb in diesem neuen Februar-Beitrag zum ICH bzw. zum WIR!!!!!!!!!!!!!

Gespräch bei FOX zwischen Guus Hiddink und PH

Coaching ist die Seele bei Seminar in NL

PH war wieder zusammen mit voetbalscholing und hielt eine Trainerfortbildung vor ca. 40 niederländischen und belgischen Trainer beim Klub Quick 1888 und es wurden die Möglichkeiten erläutert, was Trainer alles aus einer Spielform herausholen können.

Sie müssen Übungs- und Spielformen kreieren aber das Coaching ist die Seele und die Verbindung zu taktisch-technischen Prozessen darf nie verloren gehen.

Als Anker sollten sich die Trainer immer wieder das Ball, Raum, Tempo – Konzept ins Gedächtnis rufen, wo sie auf unterschiedliche Wege beobachten und coachen können!!!

Hyballa individuell bei Coach Clinic in NL

Dribbel-Raum-Gedanken beim BDFL Hessen

Anfang Februar waren Hans-Dieter te Poel und Peter Hyballa in der Sportschule Grünberg eingeladen. Sie erzählten in Theorie und Praxis über die Dribbling-Raum-Ideen, die aus Ihrer Sicht keine Basics, sondern Specials sind. Dribbeln bedeutet auch nicht nur das klassische 1 gegen 1 – offensiv, sondern auch verschiedene Dribbelmuster in unterschiedlichen Räumen.

Daraufhin wurde der Dribbel-Aufbauraum, der Verbindungsraum, der Assistraum und der Effektivraum im 9er-Bereich erläutert.

Per Videoszenen wurde stets auf die Wichtigkeit des individuellen Dribblings aufmerksam gemacht und das heutige Trainer sehr gut geschult sind „gegen den Ball-Taktiken“ zu erstellen, so dass der Unterschiedsspieler nur einer sein kann, der durch verschiedene Dribbelsorten durch die gegnerischen Reihen und Räume „tanzen“ kann!!!

Coaching ist die Seele beim Dribbling

Zauberwort Individualisierung – Ich-AG oder Teamsport

Die nächsten Zeilen sind aus Hyballa/te Poels „Modernes Dribbling“ entnommen – wo der Individualisierungs/und Differenzierungsbegriff zusammen mit dem vernachlässigten Dribbling kombiniert wird!!!

Warum hat sich der amtierende Fußballweltmeister Deutschland den Namen „Die Mannschaft“ gegeben hat. Doch der Reihe nach: Die Analyse und der Kontext sollen Klarheit zu den Begrifflichkeiten „Individuum/Individualität/Individualisierung“ und „Differenzierung“ herstellen.

Die Analyse der Trainingsintensität, des Trainingsumfangs, der Trainingsmittel, der Trainingsmethoden, der exogenen Faktoren, der Belastung/Regeneration, der Belastungsgestaltung, der Qualität (hier verorten wir unsere Themenstellung) und weiterer sportmedizinischer, -soziologischer, -pädagogischer und -psychologischer Einflussfaktoren ermöglicht es uns, die Herausforderungen moderner und komplexer Wettkampfentwicklungen insbesondere im Nachwuchsleistungs- und Hochleistungsfußball in der Zukunft bestehen zu können. Dies ist insofern von großer Bedeutung, weil sich

  • das Weltstandsniveau ständig weiterentwickelt
  • die Spitzenleistungen sich an Leistungs- und Belastungsgrößen der Weltspitze orientieren,
  • die Leistungspotenziale im Spitzenbereich insbesondere durch eine Erhöhung der Qualität des gesamten Trainings erschlossen werden können und
  • sich neue Trends und Innovationen durch Kombination bekannter Leistungselemente (Kreativität im weiteren Sinne) immer wieder offenbaren.
  • der Persönlichkeit des Sportlers,
  • dem Geschlecht des Sportlers,
  • seiner Eignung für eine bestimmte Sportart bzw. Sportartengruppe,
  • seiner besonderen Adaptationsfähigkeit (hier besonders Adaptationsdauer),
  • der altersbedingten Variabilität der sportartbedingten Leistungsfähigkeit,
  • dem sportlichen Leistungsniveau und
  • in der Umwelt des derart erfassten Individuums.

Der Faktor Gesundheitsstatus wird von Tschiene (dto.) als eine Art übergreifender kontextueller Faktor für alle Individuen angesehen. Abweichungen im Status werden bei diesem Faktor dem Kompetenz- und Zuständigkeitsbereich der Medizin/Sportmedizin zugedacht.

Die Optimierung im Sinn der Ausschöpfung aller personaler Ressourcen  eines Sportlers wird als Individualisierung bezeichnet.

Ich und Wir

Gleichzeitig stellt die Differenzierung die höchste Form  der Individualisierung dar

Diese wichtigen Unterscheidungen und Hinweise sind für das moderne Dribbling im Fußball von großer Bedeutung. Daher wollen die Autoren zwar primär eine (weitere) Erhöhung der Qualität der Technik/Taktik und Förderung der Kreativität zum Zwecke der Entwicklung und Neukombination von Dribblings, Finten und Bewegungsverbindungen (z. B. Dribbling und Passen) durch ein entsprechendes individualisiertes Trainieren und Lernen erzielen. Gleichzeitig müssen wir jedoch immer das Ganze (Individuum, Team und Umfeld) im Blick behalten:

Alles hängt mit allem zusammen.

Überdies stellt das Dribbling an sich eine Technik/Taktik dar, die gerade im Training und Wettkampf vom Trainer/Lehrer und Spieler eine sehr hohe Kompetenz hinsichtlich der Förderung und Umsetzung individueller Handlungsweisen erfordert.

Es ist nach Einschätzung der Autoren daher für die Weiterentwicklung des Dribblings im modernen Fußball von besonderer Bedeutung, den Blick auch auf die allgemeinen Voraussetzungen und Möglichkeiten vor Aufnahme einer individualisierten Trainingsgestaltung zu richten.

Wir und Ich

INDIVIDUALISIERTE TRAININGS-  UND WETTKAMPFGESTALTUNG AUS DER SICHT DER SPORTPSYCHOLOGIE

Da wir Trainer/Lehrer Entwicklungen eines Spielers, einer Gruppe und einer Mannschaft begleiten, treten uns die Begriffe Individualisierung, Heterogenität und Differenzierung ständig entgegen. Im Coaching versucht man, diese Prozesse, vor allem in den Grenzbereichen der Individualisierung (mit hohem Zeitdruck (Wettkampfstress)), zu berücksichtigen und individualisiertes Lernen so zu gestalten, dass eine individualisierte Informationsverarbeitung erreicht wird. Wie machen wir Trainer/Lehrer das in der individualisierten Trainings- und Wettkampfpraxis?

  • Wir definieren Entwicklungsziele.
  • Wir verteilen spezifische Aufgaben.
  • Wir instruieren und geben Feedback.

Im Rahmen des Trainingsprozesses achten wir im Rahmen einer (Binnen-)Differenzierung auf

  • verschiedene Ausgangsniveaus, die wir auf ein gleiches Level führen wollen (konvergente Differenzierung), und/oder
  • relativ einheitliche Ausgangsniveaus, wobei wir einzelne Spieler individuell fördern.

Im Trainingsprozess wirkt die Mannschaft zumeist unterstützend und gibt dem Einzelnen Sicherheit. Die Sache, hier das moderne Dribbling, wird über Anforderungen und Standards definiert und soll auch eine Art Faszination für den Gegenstand entfachen. Das Individuum, der Spieler, soll seine Fähigkeiten und Erwartungen, die Selbstentfaltung und Eigenverantwortlichkeit, entfalten können.

Im Trainingsalltag sehen wir jedoch auch Grenzen der Individualisierung:

  • zeitlich, personell und finanziell sowie
  • Egozentrik (Ich-AGs) und verfestigte Strukturen.

Um individuelle Entwicklungspläne im Fußball erstellen zu können, rät die Sportpsychologie in der Regel zu folgender Vorgehensweise:

  • Anforderungsanalyse,
  • Potenzialanalyse,
  • Abgleich von Anforderung vs. Potenzial,
  • Bestimmung der Aufgaben,
  • Festlegung eines Entwicklungsplans (mit Zielebenen),
  • konkrete Maßnahmen in bzw. für die Praxis.
  • Monitoring (Ist-Soll-Wert-Vergleich: Wie wirkten die Trainingsinterventionen, denn nicht jede Maßnahme wirkt bei jedem Spieler gleich?)

Mit Ausbilder-Bild Erich Rutemöller 😉

INDIVIDUALISIERUNG AUS DER SICHT DER SPORTSOZIOLOGIE

Die Berücksichtigung der individuellen Trainingssteuerung aus der Perspektive der Sportsoziologie ist der Notwendigkeit geschuldet, dass die ganzheitliche Einbeziehung des Individuums mittlerweile als Erfolgsfaktor betrachtet wird:

  • Die Peers spielen eine positive Rolle für die Bereitschaft von jungen Sportlern, sich an talentfördernden Maßnahmen zu beteiligen.
  • Erfolg und sozialer Status als Trainer hängen von der Fähigkeit ab, das Vertrauen von Sportlern zu gewinnen. Zu Spielern eine Art „Beziehung“ aufzubauen und herzustellen, stellt nach Einschätzung der Autoren im Spitzenfußball eine wichtige Fähigkeit von Fußballtrainern/-lehrern dar, um in Grenzbereichen der physischen und psychischen Leistungsfähigkeiten erfolgsorientiert zusammenarbeiten zu können.
  • Soziale kulturelle „Sensibilität“ des Trainers ist ein Erfolgsfaktor. Das bedeutet in der Praxis konkret, dass der Fußballtrainer/-lehrer z. B. den „Stolz“ eines Spielers bei Ein- und Auswechslungen beachten sollte. Das trifft auch für die Spieler zu, die man ab und an oder auch länger „auf die Tribüne schicken“ muss. Das „sensible Händchen“ wird immer wichtiger.

Die Passung von individueller Lebenswelt und Spitzensporterwartungen stellt daher eine wesentliche Voraussetzung für langfristigen sportlichen Erfolg dar.

Denn die von uns vorgestellten Ideen zum modernen Dribbling sind nach unserer Einschätzung nur wirksam umsetzbar, wenn sie den ambitionierten Spieler und die ambitionierte Mannschaft in ihrer Ganzheit begreifen. Damit sollen Probleme hinsichtlich der Bedürfnisse, Risikobereitschaft und Offenheit gegenüber Neuem mitgedacht werden. Die Frage der Relevanz der „Individualisierung“ aus soziologischer Sicht für das Training kann an dieser Stelle noch nicht beantwortet werden.

Wie kam es zur heutigen individualisierten Lebenswelt, mit der wir Trainer/Lehrer in Training und Wettkampf, ob wir es wollen oder nicht, umgehen müssen?

  •  Modernisierung und Enttraditionalisierung führen zur Individualisierung. Beispiele: Standardlebensläufe treten in den Hintergrund und die kreative Entwicklung der eigenen Lebenswelt wird häufig gefordert.
  • Trend zur Individualisierung in der Gesamtbevölkerung. Beispiele: Berufliche Arbeit, Rollenverteilung, soziale Klassen und Milieus werden brüchig, sozialer Aufstieg für jedermann.

Verschiedene Ansätze gibt es noch aus der Trainingslehre, Sportmedizin und Sportpädagogik sowie Motivations- und Stressforschung!

Interessantes und spannendes Thema!!!!!!!!!!

 

https://www.dersportverlag.de/modernes-dribbling.html

https://www.nrc.nl/nieuws/2018/01/06/nederlandse-creativiteit-duitse-discipline-a1587340

http://voetbalscholing.nl/opleidingen/peter-hyballa-2-daagse/

https://www.vi.nl/pro/overig/peter-hyballa-bij-jullie-kwam-er-geen-iphone-na-de-nokia

 

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