Fußball-Identität = Spieler suchen Liebe + Anerkennung

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Updated: August 1, 2018

Die Weltmeisterschaft ist gerade vorbei und jeder kritisiert den deutschen Fußball… na ja, du kannst es so oder so sehen – aber eines ist klar – Typenfindung und -bildung ist gerade in der Charts-Hitparade ganz oben angesiedelt und jeder gibt seinen „Senf dazu“! Die eigentliche Frage ist, wollen wir überhaupt Typen, wollen wir Individualisten, die gegen den Strom schwimmen – meine Antwort im Moment: Klares NEIN! Wir wollen Stromlinienförmigkeit, Kompatibilität und Leitlinien… no Problem, aber einen Tiger kann man nicht im Käfig einsperren – aber Typen sind Raubtiere – und Einsperren sowie andauernd Regeln mitgeben – funktioniert nicht. Deshalb Typen ausbilden ist ein Kinderspiel, doch wollen wir es überhaupt in Deutschland, deutschen Fußball, im deutschen Trainerwesen…

Identität und Fußball

Typen-Taktik auswählen

Gedanken im Jesuitenmagazin 4/2018

Seit über 20 Jahren bin ich Fußballtrainer, noch besser – ein sogenannter Fußball-Lehrer. Ich habe viele Junioren- und Profiteams gecoacht und mir oft die Frage gestellt, ob diese ‘prominenteste’ Sportart der Welt eigentlich eine Mannschafts- oder eine Individualsportart ist.

In der Sportwissenschaft ist diese Entscheidung klar: ein Teamsport! Doch habe ich im Laufe der Jahre Spieler beobachtet, die sehr stark ihre eigenen Interessen verfolgen anstatt sich im Team unterzuordnen! Sicherlich auch eine Gesellschaftsfrage, da man heute im Leben und Sport kämpfen, die Ellenbogen gebrauchen muss – vielleicht sogar seine Mitspieler gar nicht sehen darf! Fußball ist auch eine Ich-AG-Fabrik geworden.

Doch Fußball spielen viele Menschen gerade deswegen, weil sie das Team brauchen – sie bekommen Anerkennung, Lob, ein Lächeln und eine Umarmung, wenn sie ihren Job / ihr Hobby positiv gestalten! Und sie geben Liebe zurück. Am Ende des Tages wollen Fußballspieler Bestätigung und Liebe. Daher spielt das positive Coaching durch Trainer und Mitspieler eine wichtige Rolle. Eine positive Gemeinschaft trägt viele Spieler – in dieser harten Macho-Welt wird umarmt, getätschelt, gestreichelt, geküsst und zärtlich über am Kopf gefasst usw. Auch aus diesem Grund spielen wir Fußball – unabhängig von Prestige, Geld und Karrieregelüsten.

FREIGEIST

Wie weit darf man im Fußball auch ein Ego-Shooter sein? Identität im Fussball baut auf Hingabe und Respekt auf (Mannschaft und Individuum). Wenn sie nicht beides erfahren (etwa bei Niederlagen), fliehen viele Fußball-Leute in die Einsamkeit. Der Fussballspieler ist einerseits auf sich fokussiert und zugleich fremdgesteuert durch Fans, Mitspieler, Gegenspieler, Schiedsrichter, Trainerteam und Bankkonto. Im schlimmsten Fall können Spieler an Nicht-Liebe und Nicht-Gemeinschaft zerbrechen, besonders wenn sie den Begriff RESPEKT überstrapazieren.

Identitätssuche zwischen Individualität und Mannschaft. An einem plastischen Beispiel ist Fußball zu entlarven – bei einem Tor rennt der jeweilige Torschütze weg, jubelt dann mit einem unsichtbaren Herz, streckt seine Hände zu Gott aus oder zeigt auf seinen Namen – er zeigt auf sein egoistisches ICH. Die Mannschaft rennt dann zumeist zu ihm, holt ihn wieder zum Team zurück und zeigt ihm damit – gib uns LIEBE und wir geben dir LIEBE! Fußball ein Biotop für Identitätssuche und Identitätsfindung … oder einfach nur schön!

 

Ballbesitzfußball hat große Kratzer bekommen

Interview Westfälische Nachrichten:

Gerade in diesen Tagen kam ein neues Buch für Fußballtrainer auf den Markt. „Trainer, wann spielen wir?“, heißt das 217 Seiten dicke Lehrbuch für Übungsleiter aus dem Werkstatt-Verlag. Geschrieben haben es der Fußballlehrer Peter Hyballa, der Fußballhistoriker Dietrich Schulze Marmeling (Altenberge) und Hans-Dieter te Poel. Lehrbeauftragter Fußball an der Sporthochschule Köln. Eine zentrale Botschaft der Fachlektüre ist, dass den Fußballern die Fähigkeit zum Dribbling abhanden gekommen ist.

Mein Neffe Julian guckt sich wohl mehr die Bilder an im neuen Spielform-Buch

„Eins gegen Eins“ war lange Zeit die Essenz im Offensivspiel von Fußballmannschaften. Der beste Dribbler genoss Narrenfreiheit – bis in der letzten Dekade der Ballbesitzfußball in Mode kam. Bei der WM in Russland wurde man das Gefühl nicht los, dass das eine aussterbende Gattung dieses Sports ist. Beispiel gefällig: Nie hatte eine Mannschaft bei einer WM mehr Ballbesitz als Spanien im Achtelfinale gegen Russland, genau 79 Prozent, 1115 gespielte Pässe, 1008 kamen an – am Ende siegte Russland im Elfmeterschießen. Spanien hatte mit diesen Werten Deutschlands Ballbesitz-Rekord aus der Partie gegen Schweden abgelöst. Seit dem WM-Turnier in England 1966 werden diese Statistiken ermittelt.

Keine Sorge, ist nicht PH 😉

„Der Ballbesitzfußball hat große Kratzer bekommen“, meint auch TV-Analyst Hyballa, der aktuell in der Trainerausbildung des DFB tätig ist und zuvor Alemannia Aachen, Sturm Graz, NEC Nijmegen als Chefcoach sowie als Assistent bei Bayer Leverkusen und den  Junioren-Teams von Borussia Dortmund, RB Salzburg, VfL Wolfsburg und auch Leverkusen tätig war. Pep Guardiola, der katalanische Guru dieser Spielform, durfte sich über die Entwicklung bei der WM gewundert haben.

Denn, so Hyballa: „Es gab eine krasse lange Kontertaktik, das genaue Gegenteil vom deutschen Spiel mit vielen Pässen auf kleinstem Raum.“ Der lange Weg des Konters war sowas wie die Wiederentdeckung der WM.

Mit Ex-Preussen-Assi Laui beim WM-Finale 😉

Das sei nicht ganz neu, aber in seiner Ausprägung überraschend, so Hyballa: „Die Kleinen schämen sich nicht mehr für ihren Catenaccio.“ Hyballa sieht die vermeintlichen kleinen Fußballnationen zum einen im Defensivverhalten stark verbessert, es gibt nur noch wenig Unterschiede zu den Top-Mannschaften. Und, so der gebürtige Bocholter weiter: „Der Markt ist voll mit Fußballexperten und Top-Trainer ohne große Namen. Dieses Knowhow hilft den Außenseitern weiter, sie verpflichten diese Experten.“

Emotional-Beziehungs-Trainer werden in Zukunft wieder verstärkt verpflichtet

Stark verteidigen, über lange Strecken kontern, aber auch noch eine dritten Aspekt nimmt der 42-Jährige aus diesem WM-Turnier mit: „Die emotionalen Trainer setzen Akzente und setzten sich oft mit ihren Teams durch.“ Natürlich findet er den belgischen Coach Roberto Martinez gut, der sich nicht in das innerbelgische Debattengeflecht von Flamen und Wallonen hineinziehen ließ. Auch das, was  Jose Pekerman (Kolumbien) und Oscar Tabarez (Uruguay) machen würden, bewundert er.

Er selbst hat für das niederländischen Fernsehen NOS die deutschen Spiele mitkommentiert. Im Studio traf er auf die Alt-Internationalen, den ehemaligen Hamburger Rafael van der Vaart (35) und Pierre van Hooijdonk (48). Beide waren überrascht vom deutschen Ausscheiden, wenig Häme habe er dabei registriert. Alle drei waren sich einig: „Wer nicht mit 100 Prozent in die Zweikämpfe geht, kann nicht gewinnen.“ Deutschland habe nicht 100 Prozent in diesem Bereich gegeben.

Deutschland fliegt vs Südkorea raus…Schöner Mist

 

Weblinks:
http://werkstatt-blog.de/2018/07/die-arbeit-auf-dem-platz-muss-wieder-im-vordergrund-stehen/

http://fcdac.sk/en/video/2018/07/25/video-pre-match-training-dac-dinamo-minsk

http://fcdac.sk/en/video/2018/07/30/fc-dac-1904—mfk-zemplin-michalovce-41-post-match-press-conference

http://www.werkstatt-verlag.de/?q=9783730703762

https://rp-online.de/nrw/staedte/kleve/sport/peter-hyballa_aid-24152863

 

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