Trainerbusiness: Ins Burn-On kommen, nicht ins Burn-Out!!!

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Updated: Juli 2, 2019

Die Vorbereitung hat bei uns wieder begonnen – und die EuroLeague-Quali steht kurz bevor. Am Ende der Rekordsaison vom FC DAC 1904 waren zwei coole Typen bei mir und haben mich begleitet. Von der BILD-Zeitung waren Franzi und Michi da und wollten sehen wie ein Profitrainer mit seinem Team arbeitet. Dabei habe ich das Zitat geliefert, wir Trainer sind Putzlappen, da früher bei Misserfolg und 2019 nun auch bei Erfolg nach ein paar Wochen immer wieder Trainer rausfliegen.

Die Entwicklung ist dramatisch – die Drop-Out und Warum-tue-ich-mir-das-an?-Quote wird bei Trainern auch immens steigen (jaja, ich weiß wir bekommen dafür gutes Geld)… Ich bekomme viele Zuschriften von Trainerkollegen, die mir ihre Ängste schildern…nur ehy Trainerkollegen, wir sind der Schlüssel zum Erfolg zusammen mit unseren Spielern – und zwar der Generalschlüssel…wir sind Taktiker, Balltrainer, Motivatoren, Ersatzväter, Entwickler, Liebhaber des Spiels, Problemmacher, Problemlöser, Pädagogen, Visionäre… usw…

Also bitte kein Burn-Out bekommen, sondern ein Burn-on…totales Feuer besitzen für einen absoluten geilen Job, wo Entlassungen zum Part oft the Job gehören…aber die nächste Tür geht immer wieder auf!!!!!

Jetzt wird Tacheles geredet 😉

40 Mal wechselten die 36 Bundesliga-Klubs in der vergangenen Saison ihre Trainer. Ein stressiger Job mit ungewisser Zukunft, und doch so begehrt wie kaum ein anderer Beruf.

Peter Hyballa (43) kennt das Geschäft. Er trainierte Alemannia Aachen in der Zweiten Liga und den Nachwuchs von drei Bundesligisten. 17 Stationen in 25 Jahren, jüngst wurde er mit DAC Dunajska Streda Vizemeister in der Slowakei.

BILD durfte Hyballa fünf Tage lang bei seiner Arbeit begleiten.

Da gehts lang

 Dienstag, noch drei Tage bis zum letzten Spiel.

11Uhr. Die erste Einheit der Woche dauert 90 Minuten. Hyballa ist nicht zu überhören. „Wenn ich Tennis sehen will, gucke ich French Open“, schimpft er, als Abwehr-Kante Souleymane Kone (23) den Ball wieder mal lang schlägt. Der Trainer fordert Kurzpass-Spiel. Holländische Fußballschule wird von Hyballa bevorzugt.

Danach Meeting mit dem Trainer der Reserve, es geht um Einsatzzeiten der Reservisten. Hyballas Büro: Taktiktafel an der Wand, sein Fußball-Fachbuch „Trainer, wann spielen wir?“ auf dem Tisch. Ein Laptop, „transfermarkt.de“ ist geöffnet. Wer wechselt wohin, wer ist zu haben? Eine Sekretärin hat Hyballa nicht, er organisiert alles selbst.

In der Ecke ein Schrank, in den der Zeugwart Klamotten legt: Zehn T-Shirts (Größe M), fünf Trainingshosen, fünf Jacken. Zivile Outfits, ein Cruyff T-Shirt: „Der hatte die Leidenschaft als Trainer und Visionär in den Augen. “

Mittagessen in die Kantine, Hähnchen mit Feldsalat. „Als Trainer solltest du sportlich aussehen“, sagt Hyballa. „Sonst nehmen dich die Spieler nicht ernst.“

14 Uhr, der Pressesprecher braucht ein Statement zu Hyballas Vertragsverlängerung bis 2020. „Ich hatte vor einem Jahr zwar darauf gehofft, hätte es aber nicht unbedingt erwartet, dass ich hier länger bleibe“, sagt der Coach. „Im Fußball kannst du höchstens für sechs Wochen planen. Fünf Niederlagen, und du kannst dich verabschieden.“ Einige Umzugskartons sind noch nicht ausgepackt. „Bringt vielleicht Glück.“

Videoanalyse mit Co-Trainer Maik Drzensla (34): MFK Zemplin Michalovce, am Freitag letzter Gegner der Saison, spielt von hinten flach heraus. Das freut Hyballa: „Das passt perfekt zu unserem Pressing.“

DAC-Star Zsolt Kalmar (23), ehemals RB Leipzig, klopft. „Trainer, ich weiß nicht, ob das hier noch das Richtige für mich ist“, druckst er. „Ich will den nächsten Schritt machen.“Hyballa kontert: Beim DAC habe Kalmar doch alles, spiele nahe der Heimat, sei der Star im Team, verdiene gutes Geld. Kalmar hört schweigend zu, sagt dann: „Ich überlege es mir.“ Als der Spieler weg ist, gibt sich der Trainer optimistisch: „Er weiß, dass wir ihn brauchen. Wir sind hier mit der Entwicklung noch nicht am Ende“

19 Uhr. Hyballa fährt in die „Villa Rosa“, eine kleine Pension, die Klubbesitzer Ozkar Vilagi (56) gehört. Die beste am Platze, Hyballas Heimat hier in der Slowakei. Hyballa schwärmt von seinem Boss. „Ozkar ist ein Macher. Bin stolz für ihn arbeiten zu dürfen.“

Skispringer sind brutal wahnsinnig

 Mittwoch.

7.45 Uhr. Hyballa steht an einer Tankstelle am Vereinsgelände, trinkt schwarzen Kaffee für 1,30 Euro. Dann zur Arbeit: Besprechung mit dem Trainerstab, alles auf Englisch. Hyballa will, dass seine Co-Trainer mehr aus sich herausgehen. „Ihr seid mir oft zu ruhig. Es kann nicht sein, dass ich mehr über die Probleme der Spieler weiß als ihr.“

9:30 Uhr, Videoanalyse. Hyballa begrüßt alle Spieler per Handschlag: „Gut geschlafen?“ Bei der anschließenden Einheit stellt er Hütchen auf, woanders macht das der Co. Wäre das nichts für ihn? Bei einem großen Klub? „Ich bin Alphatier“, sagt Hyballa. „Als Co musst du auch mal den Mund halten. Kann ich nicht.“

Zwei Runden Warmlaufen, dann alle Übungen mit Ball am Fuß. Zur Presserunde kommen: eine Journalistin aus der Slowakei, ein Reporter aus Ungarn.

Beim Mittagessen, Suppe mit Reis, sitzt Hyballa allein. „Ein Verein ist wie eine Familie. Aber auch da hockt man nicht acht Stunden aufeinander. Außer an Weihnachten.“ Jeder Tag im Leben eines Trainers sei wie eine Telenovela, sagt er, als Mittelfeldmotor Christian Herc (20) vorbeikommt. Auch er will weg, der Erfolg des DAC hat Begehrlichkeiten geweckt. Hyballa, gebetsmühlenartig, zählt Vorteile und Chancen in Dunajska Streda auf.

Nach dem Krafttraining ist um 17. 20 Uhr Schluss. Hyballa joggt noch eine halbe Stunde auf dem Laufband. Abschalten, runterkommen. Zum Dinner trifft er Mäzen Vilagi, der bei Hirschfrikadelle und Starkbier von den Glasgow Rangers in der Euro-League-Quali träumt. Hyballa nickt: „Wäre schwer. Aber machbar.“ Sie ziehen aber das Los Cracovia Krakau aus Polen.

Ich sag nur TYP

  Donnerstag.

7.38 Uhr. Tankstelle, Kaffee. Dann Planung des Spieltags mit dem Trainerteam: Wann ist Abfahrt? Welcher Spieler muss zuerst zum Physio?

9.30 Uhr. Hyballa ehrt die besten Scorer der Saison, verschenkt Bücher – und Boxhandschuhe an Lubomir Satka (23), weil der sich kürzlich in einer Disco geprügelt hat. Kleiner Scherz. Dann Standard-Training.

Nach dem Mittagessen steckt Lieblingsspieler Vida (25) den Kopf in die Trainerkabine, Hyballa wollte ihn schon 2016 zum NEC Nijmegen holen. Vida ist aufgeregt, Ungarns Nationaltrainer hat sich angekündgt. „Du bist nicht umsonst nominiert“, baut Hyballa ihn auf. „Du bist ein Vollprofi, du schaffst das!“

Nachdem Abschlusstraining setzt der akribisch arbeitende Hyballa mit seinen Co-Trainern den Kader zusammen. Jeder einzelne Spieler wird besprochen. Ein Spieler aus Panama ist schon im Urlaub.

„Wenn der Vater eines Spielers in Panama auf der Straße erschossen wird, hilft einem keine Titel-Sammlung oder Trainer-Lizenz der Welt. Da zählt dann Menschlichkeit!“

Für 19 Uhr hat der Trainer Freunde zum Italiener eingeladen. Über Fußball sprechen sie kaum. Viele seiner Freunde, sagt Hyballa, verdienten deutlich weniger als er. „Die wollen verständlicherweise nicht immer hören, dass ich das auch noch mit einem Job schaffe, den ich liebe.“

Loyales Trainerteam lebenswichtig

 Freitag.

Spieltag. Hyballa ist unruhig, fährt mit dem weißen Skoda des Vereins zwischen Pension und Trainingszentrum hin und her. Um 10.30 Uhr nochmal 30 Minuten aufs Laufband. Die Energie muss raus.

11.30 Uhr. Besprechung mit dem Co: Wie sollen die Verteidiger spielen? Wie die Offensivspieler bei Ballverlust agieren? Dann die Hiobsbotschaft: Mittelfeldmotor Herc fällt aus, der Oberschenkel. Dafür besteht Rechtsverteidiger Kristian Kostrna (25) den letzten Test, ist fit. Für Herc wird Kalmar Achter spielen, Ersatz-Stürmer Taiwo rotiert rein. „Sagt ihm, dass wir mit Abseits spielen“, scherzt Hyballa.

Auf der Liste neben der Kabine stehen 45 Namen, Funktionsteam inklusive. Sie werden im Bus zum Stadion sitzen. „Persönlich sage ich den Spielern nie, wer im Kader steht“, erklärt Hyballa. „Die können doch lesen.“ Wer es persönlich nochmal erklärt haben will, kann zum Trainer kommen. „Dafür habe ich immer Zeit.“

15 Uhr. Co Drzensla hat erfahren, dass der Gegner im Geheimtraining ohne Druck auf den Ball gespielt hat. Auf Fotos auf Instagram fehlte ein Spieler. Fällt der aus? Hyballa telefoniert, ein Spion bestätigt die Vermutung.

Teambesprechung um 16.45 Uhr. Der Trainer macht die Mannschaft heiß: „Männer, ein letztes Mal ausverkauftes Stadion. Eure Familien sind da. Wir haben eine tolle Saison gespielt. Das wollen wir heute nochmal feiern. Knallt sie weg!“

Der Co-Trainer zeigt ein Video, einen Spielzug von Rayo Vallecano. „Man kann nicht immer nur Messi zeigen“, sagt Hyballa. Gegenpressing, Eins-gegen-Eins suchen, bei Steilpässen auf Abseits achten. „Angriffe mit Ulf abschließen“, fordert der Trainer – mit einer scharfen, flachen Hereingabe auf den zweiten Pfosten. Wie bei Leverkusen-Legende Ulf Kirsten, der so seine Tore machte.

Hähnchen mit Reis, Pasta, Kuchen.

Dann Abfahrt zum Stadion. Hyballa sitzt ganz vorne, der Platz neben ihm bleibt frei. An der Arena ein paar Selfies mit Fans, dann verschwindet der Trainer in seiner Kabine. Die Aufstellung des Gegners ist da. Noch etwas ändern? „Nein“, bestimmt Hyballa, „wir sind gut und das werden wir zeigen.“

18.15 Uhr, 25 Minuten lAufwärmen. Die letzte Ansprache an das Team: „Ich will Disziplin, Spaß und Straße in euren Augen sehen!  Macht sie fertig! Vollgaaaas!“ Draußen brodelt die MOL-Arena, 10 000 Zuschauer feiern. Erst zum Anstoß tritt Hyballa aus den Katakomben, schreitet zur Trainerbank.

Es wird kein aufregender Abend. Seine Elf gewinnt 5:0. Stürmer Taiwo hat auf Abseits geachtet, dreimal geknipst.

Nach dem Spiel feiern Trainer, Team und Fans die Saison in einer Bar. Die DAC-Anhänger feiern ihren deutschen Coach, umarmen ihn, laden ihn zum Bier ein, doch Hyballa trinkt Mineralwasser und schwarzen Kaffee. „Er ist ein Held“, ruft ein Fan. „Wir sind ihm unendlich dankbar. Hyballa soll für Jahre bleiben!“ Um Mitternacht verabschiedet sich Hyballa.

Ich weiß doch auch nicht alles

 Samstag.

Nach dem Spiel ist diesmal nicht vor dem nächsten. Die Saison ist aus.

Mit nur einem Rucksack steigt Hyballa in einen Eurowings-Flieger nach Düsseldorf. Seine Mutter besuchen, dann Freunde in seiner Heimat Bocholt (NRW), Münster/Westf.und aus seinem geliebten Ruhrpott.

Ein paar Tage später ruft der Sportdirektor an. Christian Herc geht zu den Wolverhampton Wanderers, die ihn gleich weiter verleihen an Viktoria Pilsen. Dafür verlängert Kalmar bis 2022!!!

 

LOVE OR LEAVE IT!!!!!!!!!!!!!

Do U speak football?

 

http://fcdac.sk/sk/spravy/2019/06/08/statistiky-striebornej-sezony-201819-treneri

https://tv.wolves.co.uk/player?feedId=81e4f698-9dbf-4e6f-b6a1-18963bf6539b&sectionId=eaeaef9e-c1ae-4ae5-8baa-320a22e88587&entryId=0_7rajm5zr

https://www.wn.de/Sport/Weltsport/Fussball/International/3821664-Fussball-Ein-Ligaspiel-bei-der-ungarischen-Minderheit-in-der-Slowakei-Der-12.-Mann-macht-Politik

https://molcsapat.hu/labdarugas/a-dac-edzoje-szerint-eloszor-mindig-a-tukorbe-kell-nezni-1488

https://profutbal.sk/clanok/234936-hyballa-nasiel-potencial-v-mladikoch-buducnost-klubu-stoji-na-pevnych-nohach

 

 

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