U19-Europameisterschaft – Interview mit Peter Hyballa im Bocholter-Borkener Volksblatt

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Updated: August 6, 2014

Nach dem Gewinn der Deutschen bei der U19-Europameisterschaft in Ungarn gab Peter Hyballa folgendes Interview mit dem Bocholter-Borkener Volksblatt!
Über Talenteausbildung, Perspektive für die Bundesliga und über sein neues Buchprojekt

Herr Hyballa, haben Sie den Titel für die deutsche U19-Nationalmannschaft erwartet?

Peter Hyballa
Ja, weil die Mannschaft einfach die beste war. Portugal war zwar technisch gut, aber in Sachen Vorverteidigung, Räume ziehen und Schnelligkeit bei Ballbesitz war die deutsche Mannschaft schon eine Klasse besser.

Wie weit sind die deutschen U19-Spieler bereits?

Hyballa
Bei dem Turnier spielt die Creme de la Creme. Da spielt der eine oder andere ja schon in der Ersten oder Zweiten Bundesliga. Julian Brandt und Levin Öztunali (Anm.: Enkel von Uwe Seeler) sind schon zum Einsatz gekommen, als es für Bayer Leverkusen um das Champions-League-Ticket ging. Die Spieler haben also schon große Qualität. Vor zehn Jahren war das undenkbar, dass so junge Spieler schon zum Zug kommen. Heute ist das anders.

Hängt das alles mit der verkorksten EM 2004 zusammen, auf die der DFB mit einem neuen Konzept reagierte?

Hyballa
Die DFB-Stützpunkte zielen ja vor allem auf die Spieler. Aber die Trainerausbildung ist heute auch viel schärfer. Jugendprofitrainer ist ein ganz neuer Berufszweig geworden, in dem sich inzwischen auch richtig gut Geld verdienen lässt. Da kommst du heute auch nur noch mit der höchsten Trainerlizenz rein. Die Vereine haben einfach gemerkt, dass sie pro Saison vielleicht besser auf einen Topspieler verzichten und das Geld in die Ausbildung stecken. Denn ein Talent schlüpft meistens durch.

Hat sich auch das Scouting verändert?

Hyballa
Früher wurde bei U18-Turnieren gescoutet, heute schon bei den U14-Turnieren. Das ist ein richtiger Kinder- und Jugendmarkt geworden. Das muss man schon so sagen. Die U19-EM wird im Fernsehen gezeigt, es gibt inzwischen die Youth-Champions-League. Der Druck wird da auf die Spieler auch viel größer.

Wie viele aus der aktuellen U19-Nationalelf werden den Sprung in die A-Nationalmannschaft schaffen?

Hyballa Prozentual ist das schwierig zu benennen. In die Bundesliga werden es schon viele schaffen. Wenn man die ehemalige U21-, U19- und U17-Nationalmannschaften sieht, dann standen da auch viele Spieler im Team, die heute in der A-Nationalmannschaft sind. Sei es nun ter Stegen, Götze oder Mustafi.

Sie haben Mannschaften in der Jugend-Bundesliga trainiert, waren dann im Profibereich tätig und coachen nun wieder eine U19-Mannschaft. Macht Ihnen die Arbeit mit der Jugend sogar mehr Spaß?

Hyballa
Nein. Mir bereitet beides großen Spaß. Als Trainer muss man aber auch immer abwägen. Ich hatte Angebote im Seniorenbereich aus der Dritten und Vierten Liga. Dann ist die Geschichte mit Leverkusen aktuell geworden. Nach der Entlassung von Sammy Hyypiä übernahm Sascha Lewandowski, der sehr lösungsorientiert denkt. Wir kennen uns schon lange, und er wusste deshalb, dass wir uns gut ergänzen.

Gab es eine Absprache, dass Sie nach dem Amt des Co-Trainers der Bundesliga-Mannschaft die U19 übernehmen?

Hyballa
Nein, ich hatte mich eigentlich auch schon verabschiedet. Ein, zwei Sachen standen sogar schon vor dem Abschluss, haben dann aber doch nicht geklappt. Dann kam das Angebot aus Leverkusen. Und als Trainer muss man sehen, dass man ab und zu im Sommer auch ein Ticket zieht. Im vergangen Sommer hatte ich keines und war danach zehn Monate vereinslos. Eine Pause ist zwar mal schön, aber auf Dauer macht das nicht so viel Spaß. Wobei vereinslos ja nicht ruhelos heißt. Ich habe DVDs produziert, Fortbildungen angeboten. So bleibt man im Fokus.

Bayer Leverkusen hat die U23 abgeschafft. Macht das Ihre Arbeit als U19-Coach noch bedeutender?

Hyballa
Es gibt sicher ein Für und Wider, das zu tun. Fakt ist, dass die besten Spieler zuletzt die U23 übersprungen haben. Andere Spieler können unter Vertrag genommen und zunächst verliehen werden, wie etwa ein Christoph Kramer. Natürlich hat die U19 jetzt etwas mehr Bedeutung. Deshalb trainieren auch immer vier meiner Spieler bei Roger Schmidt (Anm.: Trainer der Profi-Mannschaft) mit.

Sie sprachen eben Ihre vereinslose Zeit an, in der Sie nicht ruhelos gewesen sind. Ist da auch Ihr neues Buch „Moderners Passspiel“ entstanden?

Hyballa
Die Idee ist eigentlich schon zu meiner Zeit bei Sturm Graz entstanden, nachdem das letzte Buch „Mythos niederländischer Nachwuchsfußball“, das ich mit Hans-Dieter te Poel geschrieben habe, so viel Lob erhalten hatte. Passen und Dribbeln sind im Fußball das, was im Tennis Vor- und Rückhand sind: die Basis. Es gibt so viele verschiedene Arten des Passens; mit einem oder zwei Kontakten, mit Dribbling. Das haben wir nun zusammengestellt, sodass über hundert Spiel- und Übungsformen zusammengekommen sind. Das Buch wiegt über 1000 Gramm und man hat sicher mehrere Saisons etwas davon.

Enthält es auch den absichtlichen Fehlpass, den U20-Nationaltrainer Frank Wormuth jüngst auf dem Trainerkongress ins Spiel brachte? Nach diesem wird der Gegner sofort wieder unter Druck gesetzt, wenn er noch ungeordnet ist.

Hyballa
Wir haben tatsächlich darüber nachgedacht, ihn aufzunehmen, haben dann aber darauf verzichtet. Aber vor Weihnachten soll es einen zweiten Teil des Buchs geben. Vielleicht ist er dann dabei.

Zwei U19-Europameister! Julian Brandt und Levin Öztunali

Peter Hyballa - Julian Brandt

Peter Hyballa – Julian Brandt

Peter Hyballa - Levin Öztunali

Peter Hyballa – Levin Öztunali

 

 

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