Wilde Kerle … ääähhhm … Wilde Coaches

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Updated: Oktober 2, 2018

Es ist interessant, dass immer über Trainer geurteilt und auch andauernd diskutiert wird, was eigentlich einen guten Trainer darstellt. Interessant ist stets die Perspektive – ein guter Trainer könnte sein: der gewinnt – der geiles Feldtraining macht – der überragend People managt – der emotional ist – der ruhig und ausgeglichen ist – der studiert hat – der selbst hoch Fußball gespielt hat – der viel Erfahrung besitzt – der gerade angefangen hat und heiß ist – der am Laptop stark ist …. Ja watt denn nun?

Wahrscheinlich von allem irgendwie etwas – oder man geht halt authentisch seinen Weg. In diesem Oktober Beitrag werden verschiedene Perspektiven aufgezeigt mit einer niederländischen Kirchenpredigt (andere Sichtweisen sind wichtig für Trainer), slowakischen Trainerkongress, niederländischen Kolumnen über „Kulturbewacher“ und viele haben mich angehauen, dass sie das Zeit-Interview lesen wollen…hier ein paar Auszüge aus…“Wir brauchen Trainer aus der Wildnis“

Eins weiß ich sicher – selbst machen ist brutal wichtig – und Erfahrungen sammeln in der Praxis/Wildnis ist die beste Trainerlehrschule!!!

Weiser Spruch von Cruijff

„Eine andere Kabinenansprache“  – Predigt in der Martinikirche in Doesburg/NL

Einen ganz anderen Auftrag hatte Peter Hyballa Anfang September. Er wurde von Chris Kors eingeladen zum „Preek van de Leek“, dem Pastor der Martini-Kirche in Doesburg! PH verglich mit verschiedenen Fußballbegriffen das LEBEN! Zum Beispiel was die Wörter Gegenpressing und Catenaccio mit der Gestaltung verschiedener Menschen zu tun hatte – der eine ist nun mal rebellischer und der andere vorsichtiger…

Besprechung mit einem etwas anderen Fußballteam 😉

Auch über Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Beziehung Deutschland – Niederlande, Stress und Dopamin-Gefühle im Trainerjob wurde berichtet. Auch über die KULTUR und den PASSANTEN wurde erzählt, dass es nicht immer ein Miteinander stattfindet.

Trainer Hyballa als Storyteller und Prediger…mal mit ein anderer Kabinenansprache…;)

Trainerkongress Nitra Slowakei

Auszüge aus dem Zeit-Interview „Wir brauchen Trainer aus der Wildnis“

DIE ZEIT: Der deutsche Fußball soll wieder mehr kreative Dribbler hervorbringen, freche Individualisten. Das hat angeblich auch Joachim Löw beim WM-Krisengipfel mit Vertretern der Bundesliga zum Ausdruck gebracht. Kommt Ihnen die Forderung bekannt vor?

Peter Hyballa: Natürlich. Das habe ich schon vor Jahren gesagt.

ZEIT: Sie sind Mitautor eines Lehrbuchs für Übungsleiter mit dem Titel „Trainer, wann spielen wir?“ Darin beklagen Sie, die Dribbler seien ausgestorben.

Hyballa: Aber ich habe schon öfter etwas geschrieben, was dann drei Jahre später up to date war. Komisch. Wissen Sie, ich bin nämlich auch Individualist. Fußball ist für mich auch Individualsport. Man schießt für sich allein, muss den Zweikampf allein bestreiten. Das will nur kaum  einer wahrhaben. Neulich hatte ich eine Diskussion mit Trainern über das Tattoo des Dribblers Leroy Sané.

ZEIT: Der deutsche Nationalspieler von Manchester City hat sich ein Bild von sich selbst in Jubelpose auf den Rücken stechen lassen.

Hyballa: Und ich war der Einzige, der sagte: Ist das geil! Was für ein mutiger Typ. Und die anderen regten sich auf. Warum? Weil Leroy aus der Norm fällt. Ich sage Ihnen etwas: Wir wollen in Deutschland die Individualisierung doch gar nicht. Denn wenn wir auf dem Platz wieder Individualisten haben wollen, brauchen wir auch Individualisten als Nachwuchstrainer.

ZEIT: Und die haben wir nicht?

Hyballa: Man will sie nicht haben. Ich bin mal als Jugendtrainer bei einem Bundesligaclub nach einem Tor vor Freude auf den Knien gerutscht. Da kam der Jugendkoordinator und wies mich zurecht: Das möchten wir hier nicht. Es fängt doch schon bei den Trainerausbildern an. Da sehen Sie nur Stützpunktkoordinatoren und langjährige Verbandstrainer, die nicht über Jahre täglich eine Mannschaft trainiert haben. Das können Sie vergessen. Die Trainerausbilder müssen heute auch alle Sport studiert haben. Warum eigentlich? Sie sollten das Trainerleben studiert haben.

ZEIT: Sie waren als Trainerausbilder beim DFB. Im Juli haben Sie nach nur sieben Wochen hingeschmissen, um dann in die Slowakei zu gehen. Warum?

Hyballa: Ich mache seit 20 Jahren Trainerfortbildungen in der ganzen Welt. Ich war in Honduras, Island, Südafrika, Belgien, Holland. Nächsten Monat referiere ich hier bei einem Trainerkongress in der Slowakei. Ich bin ganz gut darin. Aber beim DFB habe ich eines unterschätzt: Ich muss Häuptling sein. Ich muss führen dürfen. Darauf hätte ich pochen müssen. Mir hat auch einfach eine Mannschaft gefehlt. Vielleicht war ich zu ungeduldig. Man muss in Deutschland einen Cheftitel haben, wenn man etwas verändern will. In Deutschland ist der Chef das Heiligste. Hierarchie ist alles.

ZEIT: Das gefällt Ihnen nicht?

Hyballa: Meine Mutter ist ja Holländerin, mein Vater war lange Seemannspastor im deutschen Seemannsheim in Rotterdam. Ich wurde so erzogen, dass mein Chef der liebe Gott ist (lacht).

ZEIT: Was hätten Sie verändert, wenn Sie in einer Chefposition gewesen wären?

Hyballa: Wir brauchen in der Ausbildung Leute aus der Wildnis. Das muss sich ändern. Wir brauchen da Praktiker. Paradiesvögel. Trainer aus der Wildnis sind sieben- oder achtmal entlassen worden. Warum holt man nicht Leute wie Ewald Lienen, Pele Wollitz oder Uwe Erkenbrecher in die Trainerlehrgänge? Und zwar nicht bloß für ein einmaliges Gastreferat. Es darf auch einer sein, der 15 Jahre lang in der Oberliga trainiert hat. Das ist auch Wildnis.

ZEIT: Ist Deutschlands Ausbildung zu theoretisch?

Hyballa: Da kommt ein Psychologe in den Lehrgang, der noch nie eine Mannschaftskabine gesehen hat, und hält einen Vortrag. Davon lernen die Trainer doch nichts. Verstehen Sie mich nicht falsch: Diese Uni-Leute mit ihrem sportwissenschaftlichen Background sind auch wichtig. Sie haben den Fußball bereichert. Früher zu meiner Anfangszeit ließen die Clubs ja nur Ex-Profis an die Trainerjobs, da hatten wir in Deutschland entsprechend methodisch-fachliche Defizite. Ein Manager sagte einmal zu mir: Sie mögen inhaltlich besser sein, aber Sie haben bei uns als Trainer keine Chance, weil Sie keinen Namen als Spieler hatten.

ZEIT: Sie gehörten zu den Pionieren der sogenannten Konzepttrainer im Jugendbereich. Waren das die besonders fleißigen?

Hyballa: Bei einem Bundesligaverein kam mal ein Cheftrainer zu mir und sagte: Sie müssen morgen die zweite Mannschaft von Energie Cottbus sichten, wir haben ein Pokalspiel gegen die. Okay, antwortete ich. Wenn man das heute einem Jugendtrainer sagt, fragt der zuerst: Was kriege ich? Habe ich ein Auto? Heute haben die Nachwuchstrainer das Feuer nicht mehr. Ich habe aber auch von Benno Möhlmann, von Eric Gerets gelernt. Das waren die Old-School-Trainer. Aber sie waren noch echte Chefs. Ich finde ja, den heutigen Konzepttrainern fehlt ein bisschen der Sex. Verstehen Sie, was ich meine? Es muss nicht Strenge sein. Aber: Persönlichkeit.

Preek van de leek in Doesburg NL

ZEIT: Als Absolvent des DFB-Trainerlehrgangs waren Sie 2005 mit 29 Jahren der Jüngste. Eine aufregende Zeit?

Hyballa: Wir waren die Jugendtrainer der Nullerjahre. Norbert Elgert, Christian Streich, Thomas Tuchel, Sascha Lewandowski, Markus Kauczinski, Wir haben den Weg bereitet für die heutigen Konzepttrainer Domenico Tedesco, Julian Nagelsmann. Vorher war Jugendtrainer ja fast ein Schimpfwort gewesen. Wir haben wenig verdient. Ich bekam 3000 Euro brutto bei einem großen Bundesligaclub, als studierter Sportwissenschaftler. Wir haben es aus Leidenschaft gemacht. Wir dachten, wir müssen noch mehr arbeiten, um eine Chance zu bekommen, Bundesligatrainer zu werden. Noch frecher sein, noch mehr ins Ausland gucken. Und Revoluzzer sein. Wir waren noch nicht so strukturiert, wir waren wild.

ZEIT: Was meinen Sie damit?

Hyballa: Unser Konzept war das Trainer-Spieler-Verhältnis. Nach der Krise des deutschen Fußballs 2000 hat der DFB schöne neue Strukturen gelegt. Die Strukturen haben Einheitlichkeit und Stromlinienförmigkeit hervorgebracht. Individualität im Nachwuchsbereich war passé. Es gab nur noch die Gemeinschaft.

 ZEIT: Weil das schneller eingeübt werden kann, als Peter das Dribbeln zu lehren?

Hyballa: Es geht nur noch ums Schwarmverhalten, alle sind gleich wichtig. Bloß kein Dribbling machen, lieber den Spielzug abbrechen. Individualisten wollen ein bisschen alleine sein. Oder sie wollen Liebe.

ZEIT: Junge Spieler bekommen keine Liebe mehr?

Hyballa: Der Spieler wird nicht mehr gelobt, es wird die Mannschaft gelobt. Mir hat mal ein vorgesetzter Trainer gesagt: Bitte nie die Spieler mit Namen kritisieren. Sag die Nummer für die Spielposition – der Sechser, der Neuner. Wissen Sie, früher hatten wir eine Beziehung zu den Spielern. Da konnte man mal sagen: Reiß dir den Hintern auf! Heute wird gesagt: Bitte lauf doch mal in diesen Raum. Schon die ganze Sprache ist so beziehungslos geworden. Abklemmen, fallenlassen, sinken. Ankerspieler. Wenn Sie eine Beziehung eingehen, gibt es auch Streit. Es knallt auch mal. Mario Götze hat mich manchmal gehasst.

ZEIT: Hatten Sie es schwer mit ihm in der Dortmunder Jugend?

Hyballa: Individualisten sind Raubtiere. Man muss sie ein bisschen lassen. Man muss sie fühlen. Da hilft dir die Wildnis. Den Mario habe ich nicht viel nach hinten arbeiten lassen. Die Sechser dahinter mussten für ihn laufen. Dafür musste Mario dann aber auch etwas Spektakuläres bringen.

ZEIT: Worin sind deutsche Nachwuchstrainer heute schlecht?

Hyballa: Wir haben Probleme mit Feldtrainern. Das sind die, die das Training auf dem Feld machen. Bei Besprechungen, bei allem, was im geschlossenen Raum passiert, sind wir gut. Da sind die Trainer besser als wir früher. Aber wir waren auf dem Feld besser. Wir haben intensiver trainiert. Wir waren härter. Heute passen alle auf, dass sich niemand verletzt. Aber es ist auch schwierig geworden: Wenn Sie heute als Coach eine harte Ansprache machen, haben Sie umgehend die Eltern und Berater des Spielers bei sich im Trainerbüro. Oder beim Jugendkoordinator. Oder gleich beim Vereinsmanager.

ZEIT: Schadet das Beraterumfeld manchmal der Entwicklung der jungen Talente?

Hyballa: Es hat sich etwas verändert. Wenn früher ein Spieler schlecht war, hat dessen Umfeld ihm gesagt: Du musst mehr trainieren. Wenn heute einer schlecht spielt, sagt das Umfeld: Der Trainer ist schlecht.

 

Nicht online, Zeitungen aus Papier – old school…

Ball erobern und dann ab „wie Schmitz Katze“ nach vorne – Präsentationsdemo beim slowakischen Kongress

Auf Einladung von Laco Borbely, dem Chef der slowakischen Trainervereinigung, war Hyballa Ende September Präsenter beim internationalen Trainerkongress der Slowakei in Nitra. Vor 300 Trainerkollegen erklärte der deutsch-niederländische Fußball-Lehrer seine Ideen über Raumfußball und über vertikales Spiel im vorderen Drittel.

Dazu wurden Techniken mit Räume verbunden. Mit der U17 von FC Nitra demonstrierte PH in der Praxis seine Ideen in verschiedenen Positionsspielen, die von hoher Intensität und Detail-Coaching geprägt waren.

Auch von der Partie war Peter Schreiner vom Institut für Jugendfußball und Jürgen Zinnmeister von taktikfol, die verschiedene Software-Programme vorstellte! Hat auf jeden Fall Bock gemacht!

 

Kolumne in De Voetbaltrainer in NL-Sprache „Wég met de cultuurbewaker!“

De staf bij mijn nieuwe club heb ik zelf samen mogen stellen. Of eigenlijk: ik móest mijn staf internationaal samenstellen, omdat men cultuurverandering wenst. Ik heb bewust gezocht naar personen die Engels spreken, de voertaal hier op de club, maar wel allemaal uit verschillende landen komen. Ik heb een Nederlandse assistent (Remco ten Hoopen) die ik nog kende uit mijn NEC-tijd. Hij is onder meer erg goed in het analyseren van tegenstanders en in het geven van (individuele) trainingen. Dan heb ik nog een assistent uit Bosnië, met wie ik eerder bij Sturm Graz heb gewerkt. Hij is karakterologisch het tegenovergestelde van mij (lees: rustig) en neemt onder meer de standaardsituaties voor zijn rekening. Vervolgens heb ik nog Martin in de staf, een Tsjech, en hij kent de Slowaakse competitie goed. Ook is het zo dat onze club ietwat Hongaars georiënteerd is binnen Slowakije. Dat speelt een onzichtbare rol. Verder is er een Duitse video-analist afkomstig van Bochum. Een zeer kundige, jonge ‘concept-trainer’ die theoretisch erg goed is onderlegd. Hij houdt veel (ook individuele) videosessies met de spelers. Ook uit Duitsland komt onze fitness-trainster. Inderdaad, een vrouw. Dat brengt ook iets extra’s binnen het teamproces. De macho’s tussen de spelers willen niet onderdoen, dus de trainingsarbeid gaat bijna als vanzelf omhoog.

Ik moet niet denken dat ik het voetballen heb uitgevonden, ik wil altijd openstaan voor internationale invloeden. Nu werk ik in een land dat erg gericht is op het fysieke aspect van voetballen. Aan mij de schone taak om er ook ‘voetballen’ in te krijgen. Maar wel op mijn manier: aanvallen en Gegenpressing. En ondertussen wil ik zeker het fysieke aspect niet verwaarlozen.

Laco, Peter und Pedda

Ik wil aansluiten bij de cultuur waarin ik werk. Daarbij moet ik niet tegengewerkt worden door de zogenaamde cultuurbewakers. Cultuurbewakers werken alleen maar constructief mee als ze nog hoog gemotiveerd zijn. Als ze al 15 jaar op de club rondlopen en zo min mogelijk verandering in hun dagelijkse routine willen ervaren, dan geef ik je een garantie op problemen. De passanten (trainer, al dan niet met zijn staf) weten dat ze op redelijk korte termijn resultaat moeten halen. Anders moeten ze vroegtijdig weg. Wat krijg je dan: een zeer gemotiveerde trainer en staf! Dat botst met personen die in de eerste versnelling willen blijven lopen, ‘want dat hebben ze altijd zo gedaan’. Volgens mij is dat per definitie de dood van de club. Ik heb van meerdere collega-trainers in Nederland gehoord zij zo’n proces hebben meegemaakt. Dat verandering bijna per definitie worden tegengewerkt door de oude garde, de zogenaamde cultuurbewakers die ook weinig méér van de voetbalwereld hebben gezien dan hun eigen club. Ik heb ook wel met cultuurbewakers gewerkt die wél (veel) van de voetbalwereld hadden gezien en die openstonden stonden voor ontwikkeling. Aan de andere kant moet ik op mijn plaats weer open staan voor die goedwillende cultuurbewaker: liefde voor de club, liefde voor de stad, voor de mensen die op de club werken. Allemaal prima aanknopingspunten om nog beter te kunnen functioneren binnen een (nieuwe) club, voor elke ‘passant’. En dan heb je nog de supporters. Eigenlijk zijn dat de grootste cultuurbewakers en dat accepteer ik volledig. Zij blijven tachtig jaar lang bij de club. Maar dat is toch iets anders dan professionals van wie een andere houding verwacht mag worden.


https://www.skysports.com/football/news/11095/11506921/why-dribblers-such-as-eden-hazard-and-wilfried-zaha-are-the-future

https://www.transfermarkt.de/gotzes-jugendtrainer-hyballa-bdquo-spielt-er-durchschnittlich-wird-er-vernichtet-ldquo-/view/news/320699

https://ujszo.com/sport/azert-jottem-hogy-bajnokok-legyunk-mondja-a-dac-edzoje

https://www.zeit.de/2018/33/claus-peter-niem-ratgeber-fussballtrainer-wm-2018

https://zebrastreifenblog.wordpress.com/2018/09/04/helikopter-eltern-schuld-an-deutschem-wm-aus/

 

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