WM 2014 – Analyse: Trend zu Chip-Bällen

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Updated: Juni 22, 2014

WM 2014

Peter Hyballa

Peter Hyballa

Mein Eindruck ist es, dass wir an den ersten Turniertagen der WM 2014  sehr attraktiven Fußball sehen. Der Trend geht zur Offensive mit vielen, auch sehr frühen Treffern. Es sind viele gute, junge Spieler am Start. Draufgänger, die nach vorne spielen wollen. Es fällt auf, dass unheimlich viel mit Chip-Bällen gearbeitet wird. Vor drei bis vier Jahren entstand die Tendenz zum Kurzpassspiel, die Abwehrketten stehen hoch, machen Druck gegen den Mittelstürmer.

Natürlich wurde nach Konzepten gegen dieses „Tiki-Taka-Spiel“ gesucht.

Und der gechipte Ball über die Abwehr ist ein probates Mittel, wie gerade vorgeführt wird. Ein Spieler macht den Passweg auf, und dann kommt der weite Ball über die Abwehr, wie Robin van Persie bei seinem ersten Tor gegen Spanien gerade phantastisch demonstriert hat. Man sieht in diesen ersten Spielen, wie taktisch stark die Teams mittlerweile agieren. Fast alle Trainer sind in Europa ausgebildet worden, das taktische Niveau ist sehr hoch.

Der Fokus liegt auf dem schnellen Umschalten nach Ballverlust oder -gewinn. Es dominiert das schnelle, vertikale Spiel, das selbst von den Italiern praktiziert wird. Der Fußball wirkt durchseziert, die Trainer forschen nach Rezepten, um den Gegner zu überlisten. Die Mannschaften sind so gut ausgebildet, dass sie innerhalb weniger Minuten die Strategie ändern können.

Costa Rica, Bosnien oder auch die Holländer haben nach dem Rückstand umgeswitcht auf die Offensive. Erstaunlicherweise hatten die Spanier kein Gegenmittel, als die Holländer ihr Konzept geändert haben. Noch ein Wort zu „meinen“ Niederländern. Louis van Gaal hat sich viel Kritik im Vorfeld anhören müssen, weil er vom traditionellen 4-3-3-System abgewichen ist.

Er hat sich lieber an den Möglichkeiten seiner Mannschaft orientiert. Sie stehen jetzt tiefer, lassen den Gegner entgegen ihrer Kultur kommen, setzen auf Konter. Aber das haben sie bislang großartig gemacht. Dass Arjen Robben ein überragender Andribbler, Wesley Sneijder ein großartiger Passpieler ist, war bekannt. Aber zumindest im ersten Spiel hat die junge Abwehr richtig stabil gegen einen prominenten Gegner gestanden. Eine Prognose, wie weit die Elftal es bei der WM 2014 schaffen wird, wage ich trotzdem nicht, denn die Leistungsdichte bei dieser WM ist so enorm wie nie zuvor.

▶sport@zeitungsverlag-aachen.de

Der Trend in Brasilien geht zu Chip-BällenWM-KOLUMNEPeter HyballaFußball-Lehrer und Autor von vielen Fachbüchern