WM 2014 Fußballlehrer Peter Hyballa spricht über WM-Taktiken

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Updated: Juni 19, 2014

Westfaelische Nachrichtenjpg

18.06.2014

Münster
Anfang Januar war Peter Hyballa im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Deutschen Fußball-Bundes drei Wochen in Honduras. Der gebürtige Bocholter leitete eine Weiterbildung für die Erstligatrainer des zentralamerikanischen Staates. Im Gespräch mit unserem Redakteur Alexander Heflik blickt er auf die Leistung von Honduras sowie die taktischen Entwicklungen dieser Weltmeisterschaft
Von Alexander Heflik

Wie fanden Sie das Spiel von Honduras beim 0:3 gegen Frankreich?

Peter Hyballa: Honduras spielte sehr einfach, wollte auf Konter gehen und hart einsteigen. Die Quittung gab es schnell mit dem Elfmeter und der Gelb-Roten Karte. Das war nicht schlau.

Vor knapp einem halben Jahr haben Sie noch die Trainerschulungen in Honduras geleitet. Wie war das?

Peter Hyballa: Nationaltrainer Suarez war unglaublich interessiert an allen Informationen, er wie auch alle anderen Trainer sind bestens informiert über den Fußball in Europa.

Welches waren die Hauptthemen?

Peter Hyballa: Vornehmlich ging es um Flachpasstechnik und Flachpasstraining, wie man Tiki Taka spielt. Außerdem wurden „One touch“-Elemente, das Doppelpassspiel, das schnelle Umschalten und viele Details besprochen.

Haben Sie davon etwas im Spiel von Honduras gesehen?

Peter Hyballa: Wenig. Zwei, drei Mal hat Honduras das schnelle Umschaltspiel versucht. Öfter nicht. Der Platzverweis hat alles über den Haufen geworfen.

Gibt es bei dieser WM neue taktische Winkelzüge, ganz neue Entwicklungen?

Peter Hyballa: Erstmal ist es so, dass es kein großes Geplänkel oder Abwarten gibt. Tore fallen früh, aber Mannschaften im Rückstand schalten dann auch sofort in einen anderen Modus. Die Niederlande, Belgien oder die Elfenbeinküste setzten sofort auf Attacke und gewannen nach Rückstand. Das ist eine gute Sache. Auffällig ist auch, dass häufig der Ball gechippt wird. Die Abwehrreihen stehen hoch, also weit vor dem eigenen Tor. Mit dem über die Defensive geschaufelten Ball werden die schnellen Spieler bedient, die sogenannte falsche Neun. Arjen Robben und Robin van Persie haben das als Erste vorgemacht.

Was ist eigentlich eine falsche Neun?

Peter Hyballa: Die Stoßstürmer standen bislang oft neben den Innenverteidigern, da begann ihre Aktion, jetzt bewegen sich die Stürmer mehr rein und raus im Zentrum. Da kommt dann mal Götze oder Özil oder Müller. Auch Messi, Neymar oder Campbell von Costa Rica spielen so. Eigentlich alle dürfen in diesem System nach vorne, es ist nicht mehr so positionsgetreu wie bisher. Diese Offensivspieler, die als Mittelfeldspieler ausgebildet worden sind, denken defensiv besser mit.

Das hört sich nach dem Ende der klassischen Stoßstürmer wie Horst Hrubesch oder Mario Gomez an?

Peter Hyballa: Nein, so würde ich das konkret nicht sagen. Spaniens Ballzirkulation war bislang das oberste Gebot. Abwarten, ob nach dem 1:5 gegen die Niederlande die Zeit der Spanier vorbei ist. Die ziehen ihr Ding halt konsequent durch und haben das schnelle Umschalten mit den langen Bällen noch nicht im Programm.

Hat sich etwas für Trainer geändert?

Peter Hyballa: Schauen Sie auf Louis van Gaal. Der Trainer ist ein Stratege geworden, Videoanalyse ist zum A und O der Arbeit geworden.

Und wer wird Weltmeister?

Peter Hyballa: Spannende Frage. Deutschland war beeindruckend, die Niederlande sind in Topform, mir haben auch Teams wie Costa Rica oder Kroatien Spaß gemacht. Die Leistungsdichte zwischen den Mannschaften ist extrem.

 

One Comment

  1. Innocent Morapedi

    16. Juli 2016 at 05:36

    very good