Coole Ballkünstler + Bodyguards/Türsteher = Dribbel-Restverteidigung!

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Updated: Oktober 22, 2020

Der Fußball und leider auch der Nachwuchsfußball ist strukturiert statt wild und frei. Dribbelkünstler werden ausgebremst – da viele Trainer komplett unter ergebnisorientierten Druck stehen. Im Profifußball normal – im Nachwuchsfußball bekloppt! Aber vielleicht kann man Struktur und Ballkunst auch verbinden – und zwar mit der RESTVERTEIDIGUNG!

Wenn der Ball in die Offensive gespielt wird, freuen sich alle Trainer, denn es geht nachher in den anschließenden Pressekonferenzen auch immer um Ballbesitz und Chancen kreieren. Doch nach blöden Ballverlusten entsteht für den Gegner auch immer Torgefahr und besonders wenn keine gute Restverteidigung vorherrscht!

Hinter der Ball-Spielaktion agieren immer wieder Bodyguards/Türsteher, die pessimistisch auf einen Ballverlust warten – und diese gut abfangen können wenn sie gestaffelt agieren und im sogenannten „Sandwich“ stehen – also stets ballorientiert zwischen Ball und Gegner.

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Was bedeutet Restverteidigung?

 

  • Die Restverteidigung kommt aus den niederländischen, wo dieses Wort „restverdedigen“ normal in jedem Trainervokabular verankert ist. Die Mannschaft ist in Ballbesitz und man spielt offensiv – der Sportjournalist guckt immer dahin, wo sich der Ball bewegt – doch der Trainer schaut manchmal gar nicht auf den Ball, doch dafür vielmehr auf die „Umgebung“, also wo der Ball gespielt werden könnte, welche Räume besetzt bzw. nicht besetzt sind.
  • Aber jeder Trainer hat schon mal ein Spiel verloren und denkt auch manchmal pessimistisch – um deshalb einen Bodyguard im Spiel einzusetzen – wird von Restverteidigung gesprochen. Wie besetzen wir also die Räume – wenn wir den Ball verlieren – der Bodyguard/Türsteher in der Restverteidigung ist der erste Spieler der im Umschalten defensiv verantwortlich ist!

 

Gerade bei Videoanalysen ist es für den Trainer einfach, die Restverteidigung anzuzeigen, da sie klar auf dem Platz zu erkennen ist. Der und die Restverteidigungs-Spieler haben es auch einfach ihre Plätze einzunehmen, da der Spieler am Ball immer besonders viel Druck und Stress hat – doch die Spieler die „defensiv vertikal“ stehen – haben keinen Stress, sondern müssen nur den taktischen Laufweg erklärt bekommen, wo und wann sie ihren Mitspieler einen Schutz (Restverteidigung) geben.

Bedankt Tom

Mit Restverteidigung entstehen neue Dribbelkünstler

 

  • Die Restverteidigung ist nicht nur ein pessimistisches Konstrukt! Denn bei eigenem Ballbesitz soll man natürlich nicht immer daran denken, dass man den Ball wieder verliert – denn sonst kann man den Ball ja auch direkt abgeben! Aber trotzdem muss auch defensiv TIEFE gegeben werden, denn sonst kann der Spieler auch nicht dribbeln und seine Tricks ausprobieren. Gerade im Nachwuchsbereich ist eine Restverteidigung wichtig, denn besonders in der Ausbildung will man Spieler kreieren, die lange am Ball bleiben können und die wirklich BEWUSST einen Gegenspieler im 1:1-offensiv ausspielen/austricksen/verladen kann!
  • Wenn der kreative Spieler am Ball weiß, dass eine seriöse Restverteidigung vorherrscht, kann er viel ungezwungener in den Zweikampf dribbeln, denn a) ist ihm bewusst, wenn es schief geht breche ich ab und spiele den Ball in die vertikale defensive Tiefe und b) weiß er, wenn ich den Ball im Dribbling steht mein Bodyguard dort und hilft mir dabei den Ball wiederzubekommen – entweder im hektischen Gegenpressing oder in der defensiven Kompaktheit (fallen lassen)!
  • Denn viele kreative Spieler werden auch VERHINDERT, weil wir TRAINER auch ANGSTHASEN sind, die Angst haben, dass ein Tor fällt, doch kreative Spieler entstehen und entwickeln sich nicht mit angstvollen Trainern – und so muss der Trainer eine Idee haben, wie er „Trickser“ produziert – und dass geht auf der einen Seite, den Spieler am Ball zu ermutigen – aber auf der anderen Seite auch eine Idee kreieren, was ist wenn der Ball verloren geht – also Lösung: RESTVERTEIDGUNG!

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Ist Restverteidigung pessimistisch? – JEIN!

 

  • Im Profibereich geht es ums Gewinnen!!!!!!!!!!!!!!! In der Ausbildung geht es um Entwicklung und Gewinnen ist ein Zusatzpunkt!!!!! Also überlegen sich Trainer – pessimistische und optimistische Spielzüge – risikoreiche und konservative Ideen – die Restverteidigung ist sicherlich etwas von allen –doch der Bodyguard-Spieler muss konservativ handeln und bestimmte ABSTÄNDE zum Mitspieler und auch zum ballbesitzenden Mitspieler einhalten. Der Trainer, der sehr stark auf Restverteidigung achtet ist auf der einen Seite ein Pessimist, da er schon denkt, was wir im BALLVERLUST machen werden und entwickelt schon einen Schutz, auch wenn die Mannschaft in die Offensive geht! Auf der anderen Seite denkt er auch optimistisch, da er seine Spieler viele kreative Freiheit lässt und die Spieler hinter dem Ball nicht nur im Ballverlust interessant ist – sondern auch immer in der Tiefe angespielt werden und somit den Ball ÖFFNEN können!

 

Restverteidigung – Coaching-Vokabular für den Torwart

 

  • Der Torwart ist das größte Opfer, wenn mit einer schlechten Restverteidigung gespielt wird, denn er ist der letzte Spieler auf dem Feld. Er muss genauso – wie der Trainer ein AUGE entwickeln, auf die Räume die vielleicht im Ballbesitz nicht so interessant sind, doch im Ballverlust auf jeden Fall – er muss vorausschauend und auch etwas pessimistisch denken!
  • Deshalb ist der Coaching-Begriff „RESTVERTEIDGUNG“ wichtig für den Torwart, da er die Räume hinter den Ball besser einschätzen muss als die Räume vor dem Ball, denn er muss zusehen, dass die NULL steht! Deshalb muss der Torwart-Trainer oder der Chef-Trainer im Videostudium sowie mit der Defensiv-Kette die Wichtigkeit von Restverteidigung besprechen, erläutern und in der Praxis darauf achten, dass die Spieler sich gegenseitig coachen!
  • Dazu muss der Torwart natürlich auch seinen Innenverteidigern ebenfalls eine Restverteidigung geben und in der defensiven Tiefe immer anspielbereit sein, wenn der IV den Mut verliert im Andribbeln oder einfach kein Abspielmöglichkeit nach vorne findet – lieber der RÜCKPASS statt den QUERPASS vor dem eigenen Tor!!!
Peter sitzt in einem Cafe und trinkt Kaffee

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Spielformen zur Restverteidigung

 

 

  • 6 gegen 6 – wir spielen nicht nach hinten

 

Organisation:

  • In einem 40 mal 35 Metern großen Raum wird 6 gegen 6 auf zwei Großtore mit TW
  • Die Ersatzbälle liegen beim Torwart

 

Ablauf des Spiels:

  • Es wird 6 gegen 6 gespielt – der Ball darf nicht nach hinten gespielt werden
  • Man darf zwar kurz nach hinten dribbeln – aber nicht passen
  • Es muss darauf geachtet – dass überall ein Spieler in der defensiven Tiefe steht, obwohl er nicht angespielt werden soll
  • Wenn der Ball ins Seitenaus geht – eröffnet der gegnerische Torwart
  • Wenn ein Team einen Treffer erzielt – spielt der eigene Torwart weiter!

 

Coaching:

  • Überall auf „Bodyguard-Tiefe“ achten!
  • Direkt Gegenpressing einleiten durch die Restverteidigung!
  • Abstände auch hinter dem Ball einhalten!
  • Die Restverteidigung steht immer etwas schräg!

 

Variationen:

  • Es wird nur 1-2 Kontakte gespielt!
  • Man darf „Jokerbälle“ spielen – 1-3 mal darf man doch nach hinten spielen!
  • Der Trainer spielt immer neue Bälle rein, um schnelle „Umschaltbälle“ zu spielen um Druck auf die Restverteidigung auszuüben!

 

  • tiqui-taca- Fußball – 7:7 – mit Sinn den Ball nach hinten spielen

 

Organisation:

  • In einem 55 mal 45 Metern großen Raum wird 7 gegen 7 auf zwei Großtore mit TW gespielt.
  • Die Ersatzbälle werden am Seitenaus hingelegt!
  • Es wird im 3:1:3 gespielt!

 

Ablauf des Spiels:

  • Der Trainer wählt wieder eine offensive Spielweise
  • Aber die Spieler müssen den Ball nicht nur nach vorne spielen – sondern immer wieder klug auch nach hinten zum Restverteidigungsspieler!
  • Es wird tiqui-taca gespielt – überall Flachpässe und viel Kurzpass
  • Eine Torchance kreieren – mit viel Ballbesitz
  • Wenn der Ball ins Seitenaus- und Toraus fällt, spielt der Co-Trainer den Ball vom gegenüberliegenden Seitenaus wieder ins Spiel (seitliches Umschaltverhalten)

 

Coaching:

  • Abstände einhalten
  • Der Restverteidigungs-Spieler steht nicht im direkten Schatten seines Mitspielers, um den schrägen vertikalen Defensiv-Pass zu fordern
  • Ruhe am Ball behalten!
  • Die Restverteidigung ist aktiv dabei!

 

Variationen:

  • Es werden die Bälle nur in den Fuß gespielt – nicht in den Lauf!
  • Die Eröffnung des ersten Spielers beginnt mit einem langen Ball – und dann dürfen die Bälle nur in den Lauf gespielt werden!
  • Es dürfen keine Querpässe gespielt werden – falls ja gibt es den tiqui-taca-Elfmeter – zwei Spieler laufen auf den gegnerischen Torwart, und sie spielen sich den Ball in den Fuß und elf Meter vor dem Tor muss ein Spieler auf das Tor schießen!

 

  • 8 gegen 8 – plötzlich STOPP

 

Organisation:

  • In einem ½ Spielfeld wird 8 gegen 8 auf zwei Großtore mit TW gespielt!

 

Ablauf des Spiels:

  • Es wird per freien Spiel im 8 gegen 8 gespielt!
  • Mitten im Spielgeschehen stoppt der Trainer dass Spiel und kontrolliert die Abstände bei der ballbesitzenden Mannschaft und bei der defensiven Mannschaft!
  • Er achtet auf diverse Restverteidigungs-Positionen und schaut ob die defensive Tiefe eingehalten wird!
  • Falls nicht bekommt die gegnerische Mannschaft einen Elfmeter zugesprochen!

 

Coaching:

  • Hohe Konzentrationsdisziplin aller Spieler, da der Trainer immer wieder stoppen kann!
  • Auf taktische Restverteidigungsdisziplin achten!
  • Zwar auf Restverteidigung achten – aber wichtig ist kreatives Spiel!

 

Variationen:

  • Falls ein Ball in die defensive Tiefe gespielt wird – darf der jeweilige Restverteidigungsspieler nur per einem Kontakt den Ball weiterleiten!
  • Falls ein Ball in die defensive Tiefe gespielt wird – darf der jeweilige Restverteidigungsspieler nur per Wechselpass den öffnenden Ball spielen!
  • Der Trainer stoppt plötzlich, spielt aber sofort einen neuen Ball herein und stoppt irgendwann wieder und stoppt dann endgültig dass Spiel und kontrolliert (so hat man auch dass schnelle Umkehrspiel dazu)!

 

  • 5 gegen 5 – tiqui-taca mit Bodyguards

 

Organisation:

  • In einem 45 mal 30 Meter großen Raum wird 5 gegen 5 auf zwei Großtore mit TW gespielt!
  • Ersatzbälle liegen am Seitenaus!

 

Ablauf des Spiels:

  • Es wird im 5 gegen 5 nur tiqui-taca gespielt – schnelle Kurzpassfolgen per Flachpassphilosophie
  • Es soll gerade im freien Raum nicht der Ball lang geöffnet werden, sondern schnelle Kurzpassfolgen erfolgen
  • Dazu werde die Bälle nur tief nach vorne und/oder tief nach hinten gespielt um Raum zu schaffen!
  • Es muss 5 mal der Ballbesitz stattfinden – um einen Treffer zu erzielen!
  • Die Ersatzbälle werden nicht eingeworfen – sondern per Kurz/und Flachpass ins Geschehen gespielt!

 

Coaching:

  • Nicht nur harte schnelle Pässe – sondern auch langsame präzise Pässe spielen (wichtig ist allein der Ballbesitz)!
  • Gerade die Restverteidigungsspieler müssen immer aus dem Deckungsschatten ihrer Gegenspieler kurz „herauszünden“ um Platz zu schaffen!
  • Eine Torchance per schnellem Passspiel zu kreieren – und nicht in Hektik zu verfallen!

 

Variationen:

  • Die Mannschaften spielen nur 1-2 Kontakte!
  • Wenn ein Spieler den Ball muss er sofort auf das Tor schießen oder einen Doppelpass spielen – aber überall bleibt die Restverteidigung bestehen!
  • Im Wechsel wird ein Kontakt – freies Dribbling gespielt – um einmal schnell anzudribbeln und dann wieder per one touch den Ball weiterzuleiten (wichtig: Ballbesitz halten um eine Chance zu kreieren)!

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https://www.nporadio1.nl/langs-de-lijn-en-omstreken/onderwerpen/65543-2020-09-29-peter-hyballa-over-gegenpressing-voetbaltactiek-voor-beginners

 

https://sport.sky.de/fussball/artikel/psv-eindhoven-video-peter-hyballa-zum-wechsel-von-mario-goetze/12098270/34236

 

https://www.vi.nl/nieuws/hyballa-verklaart-keuze-van-gevoelsmens-mario-gotze-voor-psv

 

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