Corona-Krise: Fußball-Liebhaber

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Updated: April 10, 2020

Gerade zur dieser heftigen Zeit mit dem Corona-Virus macht man sich zu Hause viele Gedanken, über sich selbst, über andere, über den Tod, über das Leben und klar über seinen Job. Als ich zum 22.Mal durch den Stadtwald in der fußballlosen Zeit lief, dachte ich an eine Frage, die ich vor ein paar Jahren von Ronald Reng bekam.

Er war gerade mit der persönlichen Fußball(lebens)Biographie von meinem fantastischen Freund Lars Mrosko beschäftigt.

Hyballa: „Ronny, was hat dich am meisten an diesem Fußballbuch selbst begeistert oder gar gewundert?“ Reng: „Hey Easy Rider (mein Spitzname in dem Buch) wie verfallen und süchtig ihr nach Fußball seid – wie viele Liebhaber es gibt, ohne die dicken Millionen, die einfach dabei sein wollen.“

Die Antwort fand ich erst sehr nüchtern und dann doch faszinierend – da dieses Spiel so simpel ist – aber doch so stark geprägt wird von einer süchtigen Ansteckungskraft. Wenn ich selbst daran denke, wie erwachsene Leute mich „geknuffelt“ haben nach siegreichen Spielen und wie asozial und gehässig es bei Entlassungen zu sich geht…Das ist schon krass!!!

Bei meinem eigenen Lauftraining machte ich mir über diese Fußballsucht Gedanken. Bei einem Interview mit den bside-rats, ein Fan-Portal von NAC Breda sprach ich in der Corona-Zeit eigentlich mehr über meinem großen Respekt für die Krankenhaus-Mitarbeiter oder dass Fußball nicht das wichtigste auf der Welt ist…doch die Fanredakteuren sahen es anders und fragten mich immer und immer wieder über…wie wird die Saison zu Ende gespielt? Dürfen bald Zuschauer wieder in die Stadien? Und darf NAC noch die Playoffs spielen…

Ich dachte, Wahnsinn sie lechzen wirklich nach Fußball, sie sind süchtig und lieben es total…und dann denkt man am Ende doch an sich selbst, denn wir sind halt doch zumeist ICH-AGs und keine Teamplayer…verdammt, mir geht es genau, ich bin süchtig. FUßBALLSÜCHTIG!

Darum zitiere ich ein paar Textzeilen aus Rengs Buch Mroskos Talente, die die Liebe zum Fußball aufzeigt. Sowie ein Artikel aus dem Jesuiten Magazin, den ich für Theologen Björn Mrosko, dem Bruder von Lars über ICH-AG´s schrieb…!

Football bloody hell

 

Ah ja neue Fußball-DVD und E-Video von Schreiner/Hyballa…hier mehr Info´s

http://www.ifj96.de/neuerscheinung-praxis-dvd-und-evideo-von-hyballa-und-schreiner/

Zur Zeit nur Telefon-Interviews

 

Fußball-Liebe und Freund/Feindschaften im Fußball (Auszug Mroskos Talente)

https://www.amazon.de/Mroskos-Talente-erstaunliche-Leben-Bundesliga-Scouts/dp/3492055931

„Der Himmel über Berlin wird an diesem Tag sein Grau nicht mehr abschütteln. Es regnet, aber die Luft ist so feucht, dass man glaubt nass zu werden. Mrosko setzt sich wieder in den Campingstuhl und muss, ohne dass er es merkt, angesichts des spannenden Spiels gleich wieder aufstehen. Er hat noch nie im Leben ein Fußballspiel gesehen, das ihn gleichgültig ließ. Er erinnert sich, wie er mit Anfang 20 einmal mit seiner damaligen Freundin Antje im Park in Lichterfelde spazieren ging. An einem Sportplatz blieb er stehen. „Was ist denn?“ „Warte mal, den kenne ich.“ Eine Mannschaft alter Männer wärmte sich auf. „Markus!“ „Mensch Lars, was machst du denn hier?“

Ein Arbeitskollege des Vaters vom Amtsgericht bereitete sich mit der Betriebssportelf Rot-Schwarz 65 auf ihr Seniorenspiel vor. Markus wollte einen Witz vor Mrosko und dieser schönen jungen Frau machen. „Wir haben keinen Schiedsrichter, willste nicht pfeifen?“ „Klar“ sagte Mrosko. „Das ist nicht dein Ernst?“ sagte Antje, aber sie musste ahnen, dass es ihm natürlich ernst war.

90 Minuten lang wartete Antje im Park, bis Mrosko die Partie der Betriebssportliga abpfiff. Vielleicht war es kein Wunder, dass sie, wie so viele Frauen in seinem Leben versucht hatte, ihn zu verändern.

Die letzte Spielminute im Spiel der vierten A-Jugendliga zwischen dem TSV Rudow und dem BFC Dynamo läuft. Shergo, der für Union in der zweiten Bundesliga stürmte, und Mrosko der Edin Dzeko für Wolfsburg sichtete, rudern mit den Armen, nach vorne! nach vorne! Sie rufen, obwohl sie wissen, dass ihre Spieler sie nicht hören werden: „Komm, Ramiz, jetzt schieß!“ „Schieeeeß!“ Und Ramiz schießt. Der Schiedsrichter, der 17 Euro für die Leitung des Spiels erhält, hat sich schon entschieden, nach diesem Angriff abzupfeifen. Und Ramiz schießt den Ball ins Tor, aus 18 Metern, genau ins untere Toreck, zum 1:1, nicht in der letzten Spielminute, sondern in der letzten Spielsekunde. Mrosko rennt auf das Spielfeld, er vergisst seine Ferse, er umarmt die Jungs. Er weiß nicht, ob Eintracht Frankfurt ihn nehmen wird, er weiß nicht, was aus seinem Leben wird, er weiß nur, dass er diesen Moment unverändert liebt. (Mroskos Talente, Reng, Piper Verlag, S.403/404.)

😉

Bolzplatz-Sehnsucht

 

Die ICH-AG in einem Team sucht Liebe und Anerkennung

Die Ich-AG in einem Team sucht Liebe und Anerkennung Seit über 20 Jahren bin ich Fußballtrainer, noch besser – ein sogenannter Fußballlehrer. Ich habe viele Junioren- und Profiteams gecoacht und mir oft die Frage gestellt, ob diese ‚prominenteste‘ Sportart der Welt eigentlich eine Mannschafts- oder eine Individualsportart ist. In der Sportwissenschaft ist die Antwort klar: ein Teamsport. Doch habe ich im Laufe der Jahre Spieler beobachtet, die sehr stark ihre eigenen Interessen verfolgen, anstatt sich im Team unterzuordnen. Sicherlich auch eine gesellschaftliche Frage, da man heute im Leben und Sport eben kämpfen, die Ellenbogen gebrauchen muss – vielleicht sogar seine Mitspieler gar nicht sehen darf! Fußball ist auch eine Ich-AG-Fabrik geworden. Doch Fußball spielen Menschen gerade, weil sie das Team brauchen – sie bekommen Anerkennung, Lob, ein Lächeln und eine Umarmung, wenn sie ihren Job / ihr Hobby positiv gestalten. Und sie geben Liebe zurück. Der Fußballspieler ist einerseits auf sich fokussiert und zugleich fremdgesteuert durch Fans, Mitspieler, Gegenspieler, Schiedsrichter, Trainerteam und Bankkonto. Am Ende des Tages wollen Fußballspieler Bestätigung und Liebe. Daher spielt das positive Coaching durch Trainer und Mitspieler eine wichtige Rolle. Eine gute Gemeinschaft trägt viele Spieler – in dieser harten Macho-Welt des Fußball wird umarmt, getätschelt, gestreichelt, geküsst und zärtlich an den Kopf gefasst. Auch aus diesem Grund spielen wir Fußball – unabhängig von Prestige, Geld und Karrieregelüsten. Wie weit darf man im Fußball auch ein Egoshooter sein? Identität im Fußball baut auf Hingabe und Respekt auf (Mannschaft und Individuum). Wenn sie nicht beides erfahren (etwa bei Niederlagen), fliehen viele Fußball-Leute in die Einsamkeit. Im schlimmsten Fall können Spieler an Nicht-Liebe und Nicht-Gemeinschaft zerbrechen, besonders, wenn sie den Begriff RESPEKT überstrapazieren. Identitätssuche zwischen Individualität und Mannschaft. An einem plastischen Beispiel ist Fußball zu entlarven – bei einem Tor rennt der jeweilige Torschütze weg, jubelt dann mit einem unsichtbaren Herz, streckt seine Hände zu Gott aus oder zeigt auf seinen Namen – er zeigt auf sein egoistisches ICH. Die Mannschaft rennt dann zumeist zu ihm, holt ihn wieder zum Team zurück und zeigt ihm damit – gib uns LIEBE und wir geben dir LIEBE! Fußball ein Biotop für Identitätssuche und Identitätsfindung … oder einfach nur schön! Peter Hyballa

Jesuiten 2018,2

Reng und Hyballla 2015 bei einer Lesung in Leverkusen

 

https://newonce.sport/2020/03/wychowac-narwancow-z-wypietymi-klatami-niemcy-chca-wiecej-ulicznych-grajkow/?fbclid=IwAR1dcpmLTP-iiNYfe6FlfyfRnMEkJsTGxd6S15u4twnsfqx_CPETOgKEv4A

https://www.werkstatt-verlag.de/isbn/9783730703762

https://www.bndestem.nl/nac/humanist-en-nac-trainer-hyballa-lopen-lezen-en-schrijven-houdt-de-geest-fris~ae20810a/

https://www.omroepbrabant.nl/nieuws/3173778/NAC-trainer-Peter-Hyballa-probeert-toch-gewoon-door-te-werken-Kijken-ook-al-naar-komend-seizoen

https://www.nacfans.nl/nieuws/hoofdnieuws/278648/hyballa-over-vluchtende-spelers-ik-wil-ze-hier-niet-vastbinden

https://www.vtbl.nl/nieuws/artikel/5055506/hyballa-en-nac-niet-te-stoppen-kut-corona

https://www.bndestem.nl/nac/nac-trainer-hyballa-normaal-gedrag-kan-je-vergeten-in-de-voetbalwereld~a7c0ce9f/

Trainerteam muss bekloppt sein (Foto vor Corona-Krise)

 

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