Extratrainer = Balltrainer

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Updated: März 28, 2021

Warum gibt es eigentlich so wenig spezifische Extratrainer im Ballbereich – aber so viele zusätzliche Trainer im Athletik- und Analysebereich?

Viele Experten denken, dass die Technik im Ballhandling nicht das Riesenproblem im Profifußball ist, sondern eher Raumfehler, die mehr im taktischen Bereich liegen. Meiner Meinung nach ist es sicherlich immer ein Zusammenspiel von vielen Komponenten.

Doch auch in der reinen Balltechnik, gibt es viele Probleme, da viele Spieler einen überragend guten und einen überragend schwachen Fuß besitzen. Im Grunde ist es auch nicht ein großes Problem – nur ich merke stets mehr im Profibereich, dass sich viele Spieler echt im technischen Bereich verbessern möchte – wenn man ihnen das nötige Angebot stellt.
Ist ja schon witzig, für viele Bereiche gibt es Extra-Trainer (Fitness, Psychologie, Video etc.). Aber wenn es um den Ball geht – gibt es kaum spezifische Experten im Team – z.B. Dribblingtrainer, Torschusstrainer oder Beidfüßigkeits-Trainer… Einfach nur ein Gedanke.

Hier schon ein älterer Beitrag von mir, der aber wieder hochaktuell ist. Der Trainer entscheidet natürlich ob er eine Falsch-Fuß oder Richtig-Fuß-Taktik am Flügel spielt!
Es gibt für beides Vor- und Nachteile!

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Der Rechtsfuß spielt heute auf der linken Seite!

  • Natürlich besitzt nicht jede Mannschaft einen Topspieler, der problemlos mit seinem schwächeren linken Fuß auf links spielte. Doch die Taktik, die sich dahinter verbirgt, kann jeder Trainer übernehmen. Der Trainer muss seiner Mannschaft eine gewisse Handschrift mitgeben (z.B. Raumdeckung bei defensiven Ecken, Kurzpassspiel, One-Touch-Fußball usw.) und zu dieser Kategorie gehört auch die Wahl von einer Falsch-Fuß-Taktik oder Richtig-Fuß-Taktik auf den Flügeln.
  • Die meisten Mannschaften spielen mit einem Linksfuß auf links und umgekehrt – man kommt als Trainer zumeist auf neue Ideen, wenn sich z.B. alle LF´s verletzt haben und notgedrungen einen Rechtsfuß auf links hinstellt. Doch nicht nur äußere Ereignisse sollen den Trainer zu neuen Ideen „anstacheln“, sondern eine präzise Überlegung seiner Flügeltaktik.
  • Wenn ein LF auf der linken Seite agiert, fühlt er sich wohl! Denn er kann den Ball oft mit der linken Innenseite an- und mitnehmen, er kann den Ball direkt mit links weiterleiten. Wenn er mit seinem zentralen Wandspieler einen Doppelpass spielt, kann er mit links bis zur Seitenlinie weiter dribbeln und mit links klar eine Flanke reinspielen.
    Vom Gegenspieler wird sicherlich der linke Spielfuß „dicht gemacht“, aber der geschulte Außenspieler kommt mit seinem starken Fuß schon oft durch. Wenn auch der Gegenspieler den Außenspieler nach außen „wegdrückt“, ist es für den Linksaußen nicht so schlecht, denn er kann den Ball immer noch mit seinem starken Fuß reinflanken oder den gekonnten Rückpass zum nachrückenden MF-Spieler spielen.
  • Dass Problem ist aber, dass LF auf links und RF auf rechts, oft stur geradeaus laufen und zumeist die Flanke von der Torauslinie suchen. Oder, wenn sie nicht „durchkommen“, spielen sie dann schon eine Flanke aus der Halbposition. Sicherlich kann dies auch gewinnbringend sein, wenn man einen starken Offensiv-Kopfballspezialist im Zentrum hat.
  • Wenn ein LF nun auf der rechten Seite spielt, entsteht am Anfang „unforced errors“, da der Spieler sich an die neue Seite gewöhnen muss. Er versucht immer noch viel mit seinem starken Fuß zu spielen, so muss er aber anders zum Ball laufen, da er den Ball nun nicht mehr über sein Standbein rollen und mit der starken Innenseite den Ball annehmen kann.
    Nun muss er den Ball besser entgegenlaufen, da das nähere Bein sein starker Fuß ist. So kann er den Ball vielleicht auch leichter verlieren, da er zwischen sich und dem Gegenspieler kein Standbein mehr ist.
    Mit der Falsch-Fuß-Taktik, spielt der Außenverteidiger auch etwas mehr zentral. Dies finde ich aber gar nicht so schlecht, denn dann kann man noch besser die 6er-Position anspielen und der Ball läuft schneller über das Zentrum. Wenn der Außenspieler schon auf einer Halbposition steht, besitzt er auch mindestens zwei Optionen; spiel ich mit meinem starken Fuß den Ball über das Zentrum oder spiel ich mit meinen schwächeren Fuß über die Seite und spiel den Ball „longline“. So, ist der Spieler unberechenbarer.

Bessere Ausbildung in der Beidfüßigkeit

  • Im Juniorenbereich und im Seniorenbereich kann man die FFT (FalschFußTaktik) anwenden. Gerade im Kinder- und Jugendfußball kann man dadurch viel besser die Beidfüssigkeit trainieren. Das große Manko im technischen Bereich, ist die Beidfüßigkeit und dadurch verringert sich das Tempo und die Spielkreativität.
    Denn bis sich der Spieler den Ball auf seinen „Schokoladen-Fuß“ umlegt, vergehen immer ein paar Momente und der Gegenspieler erobert den Ball oder stört den Aufbau über die Flügel. Wir Trainer denken uns immer wieder Formen aus, wo die Beidfüßigkeit verbessert wird. Aber im Spiel agieren die Spieler dann doch wieder zumeist mit ihrem starken Fuß. Die Spieler wollen im Training und Spiel einfach keine Fehler machen, da sie denken, dass sie dann frühzeitig ausgewechselt werden oder erst gar nicht von Anfang spielen.
    Doch nicht nur bestimmte Übungen helfen da weiter, sondern auch die taktische Position, wo der Spieler gezwungen ist, mit dem falschen Fuß zu passen und zu schießen! Denn es wird im Spiel immer Stresssituationen geben unter Raum-und Zeitdruck, wo der Spieler den Ball mit seinem schwachen Fuß spielt. Wenn er diese Situationen aber 3-5 mal in jedem Spiel macht, verbessert sich der andere Fuß automatisch und man erzielt eine gewisse Ausbildung in der Beidfüßigkeit!
  • Gerade Kindertrainer müssen viel mit der FFT spielen, denn dann erhalten sie im technischen Bereich, Spieler die mit beiden Füßen passen, dribbeln, tricksen und schießen können. Denn der starke Fuß wird sowieso weiter ausgebildet, denn intuitiv spielt man immer lieber mit dem starken Fuß.
    Es ist ähnlich wie bei Steffi Graf, die ihre Rückhand immer umlaufen hat, um mit ihrer starken Vorhand zu punkten. Doch im Fußball gibt es nun mal einen Gegenspieler, der den starken Fuß isoliert und so dem ballbesitzenden Spieler eigentlich seine ganze Stärke raubt! Aber nicht nur im Kinderbereich kann man die Beidfüßigkeit verbessern, auch im Junioren- und Seniorenbereich. Vielleicht kann man die Beidfüßigkeit im Kinderfußball erlernen und im Juniorenbereich verbessern!

Vorteile mit FFT:

  • Der Spieler ist unberechenbar!
  • Der Spieler sieht nicht nur den geraden Weg, sondern blickt ins Zentrum!
  • Die Beidfüßigkeit, auch für andere Spielsituationen, verbessert sich!
  • Der Spieler kann vom Flügel ins Zentrum dribbeln und selbst abschließen!
  • Der Spieler steht mehr auf der Halbposition und besitzt somit mehrere Optionen den Ball zu spielen!
  • Nicht nur geradeaus am Flügel laufen und einfach nur flanken!
  • Der Flügelspieler wagt mehr auf das Tor zu schießen!
  • Bessere taktische Ausbildung, da der Flügelspieler viel mehr im zentralen Bereich agiert!
  • Gute Zukunftsperspektiven, denn ein Spieler mit Beidfüßigkeit ist vielseitig einsetzbar!
  • Falls der Trainer im Spiel eine neue Taktik wählt, geht der Linksfuß wieder auf links und spielt über seine starke linke Seite!

Nachteile im FFT:

  • Als Außenverteidiger spielt mit man unsichere Pässe mit der Außenseite, da man den starken Fuß einsetzen will!
  • Der Körper steht nicht zwischen Ball und Gegner!
  • Man dribbelt in Richtung Strafraum, da der starke Fuß näher im Zentrum liegt (Gegenspieler klaut den Ball und geht allein auf das Tor!)!
  • Viele Abspielfehler mit dem schwachen Fuß!
  • Der Spieler dribbelt zu sehr auf die 6er und 10er-Position und macht so die zentralen Spieler zu!
  • Der Spieler dribbelt zu schnell ins Zentrum, obwohl man in eigenen Situation die Seite besser ausspielen kann!
  • Man geht nicht mehr auf Hinterlaufaktionen ein, da der Spieler selbst abschließen möchte!
  • Der Spieler wird nach ein paar Minuten selbst hektisch, da er zu sehr den starken Fuß gebrauchen möchte!
  • Er kann sich mit der Position nicht identifizieren, da er jahrelang schon auf seiner „richtigen“ Seite spielte (mentales Problem)!

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